Nördlich des Schlosses Belvedere und exakt in der Sichtachse zur Stadt Weimar liegt der Sowjetische Ehrenfriedhof. Die Anlage wurde ab 1946 errichtet. Bis 1990 wurden hier mehr als 2.000 Menschen beigesetzt.
Seit 1998 gehört der Friedhof gemeinsam mit dem Schloss und dem Park Belvedere zum UNESCO-Welterbe „Klassisches Weimar“.

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1. Entstehung des Sowjetischen Friedhofes „Belvedere“
Mit der Beisetzung des 1938 verstorbenen Friedrich Sauckel durch dessen Sohn, den Thüringer NS-Gauleiter und Reichsstatthalter Fritz Sauckel, wurde der erste Grabstein am Nordhang des Belvederer Parkes eigenmächtig gesetzt. Dieses Grab bildete den Auftakt für weitere Beisetzungen von NS-Funktionären auf dem zu Anfang des 18. Jahrhunderts angelegten Parkgelände, auf dem nach den Planungen des nationalsozialistischen Architekten Hermann Giessler ein sog. ‚Helden-Hain unter Eichen՚ für verdiente Nationalsozialisten entstehen sollte. Die Anlage nahm jedoch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 nur wenige Gebeine auf, die nach der Befreiung anonym auf den Hauptfriedhof umgesetzt wurden. 1947 wurden auch die mehr als zwei Meter hohen Granitsteinen als letzte Zeugnisse dieser NS-Begräbnisstätte entfernt.

Im Sommer 1945 war im Ilmpark ein sowjetischer Friedhof angelegt worden, der schnell ausgelastet war. Deshalb erging durch die russische ‚Militärkommandantur der Stadt und des Kreises Weimar՚ am 30. April 1946 folgender Befehl: „auf dem Territorium 200 Meter nordöstlich vom Schloss Belvedere ist mit den Kräften und Mitteln des Bürgermeisters ein neuer Friedhof zur Bestattung verstorbener Bürger der UdSSR einzurichten …“ (Stadtarchiv Weimar, 13/1846). Die Gestaltung des zweiten sowjetischen Friedhofes geht im Wesentlichen auf diesen Befehl der Sowjetischen Militäradministration für Thüringen (SMATh) zurück: die Anlage eines Wegekreuzes mit einem Obelisken im Schnittpunkt, ein Wachhäuschen am Eingang und eine Friedhofsmauer aus Bruchstein. Zur Realisierung forderte die Stadt Weimar bei der SMATh über 400 Arbeitskräfte, darunter 30 Steinmetze, einen Dolmetscher und eine Schreibkraft an. Überdies beauftragte sie mehrere Weimarer Firmen und pachtete den Steinbruch Böttner in Ehringsdorf zur Gewinnung des benötigten Baumaterials. Doch Mangel an Baustoffen, Fachkräften, Transportfahrzeugen, Treibstoff u.a.m. verzögerte die Fertigstellung. Eine ursprünglich geplante Wappenmauer und Metallumzäunung sowie Denkmäler mussten entfallen.
Der neue Friedhof war nur verstorbenen Bürgern der Sowjetunion (damals UdSSR) vorbehalten, wobei überwiegend Soldaten und Offiziere der Roten Armee sowie Zivilpersonen und Kinder bestattet wurden. Seine Errichtung war Teil der Wiedergutmachungsleistungen und lag in der Verantwortung der Stadt Weimar. Die kurze Zeit später seitens der SMATh aufkommende Idee, aus Belvedere einen sowjetischen Zentralfriedhof für Thüringen und Westsachsen mit mehr als 12.000 Bestattungen zu machen, konnte die Stadt Weimar mit Verweis auf die ungünstigen Grundwasserverhältnisse und den historisch wertvollen Baumbestand im Park abwehren.
Für Soldaten waren einheitliche Grabsteine aus Betonstein als Einzelgräber in Reihen vorgesehen. Diese Reihengräber besaßen eine Einfassung und Bepflanzung sowie eine schräg liegende Grabplatte (siehe Abb. 3). Zivilisten- und Offiziersgräber erhielten demgegenüber stehende Grabsteine mit davor liegender Einfassung und Bepflanzung (siehe Abb. 4).



Wegen der im Nachkrieg fehlenden Finanzmittel kam es zu wiederholten Bauverzögerungen. Am 12. Dezember 1949 übergab die SMATh den noch nicht vollständig hergestellten Friedhof zur Bewirtschaftung an die Stadt Weimar. Die unter erschwerten Bedingungen ausgeführten Bauarbeiten dauerten noch bis Ende 1951 an, Wege wurden befestigt und das Tor von der Nordseite auf die Westseite verlegt, wo es sich heute noch befindet (siehe Abb. 6).


Die erste Bestattung hatte auf noch unerschlossenem Terrain am 24. April 1946 stattgefunden. Bis 1949 folgten 950 Bestattungen, davon 840 sowjetische Militärangehörige sowie 110 Bürger und Bürgerinnen der UdSSR, was fast der Hälfte aller auf dem Friedhof insgesamt erfolgten Bestattungen ausmacht. Die Art des Begräbnisses hing vom Rang und Ansehen des Verstorbenen ab. Offiziere wurden bis Ende der 1950er Jahre in einem geschmückten offenen Sarg und von Musik begleitet durch die Stadt zum Friedhof überführt. Nach russischem Brauch gedachte man schon am Grab mit Brot, Speck und Wodka des Verstorbenen (siehe Abb. 7). Kindergräber erhielten als Zugabe oft Konfekt und Spielzeug. Da bei diesen Bestattungen auswärtige Familienangehörige oft nicht anwesend sein konnten, baten sie die Friedhofsverwaltung um Fotos und darum, an bestimmten Gedenkdaten Blumen nieder zu legen. Unehrenhafte Soldaten, die sich eines Vergehens schuldig gemacht hatten und mit dem Tode bestraft wurden, kamen ohne Ritual und Andacht ins Grab.
2. Erste Umgestaltung 1966
Bis 1966 erfolgte die Beisetzung aller verstorbenen sowjetischen Angehörigen der Kommandantur auf den in Weimar befindlichen sowjetischen Friedhöfen. Ab 1967 kam es verstärkt zu Überführungen der Sterbefälle in die Sowjetunion und die Bestattungen vor Ort gingen zurück.
Im Sommer 1966 erfolgte auf Initiative der Stadtverwaltung Weimar eine erste Umgestaltung des Friedhofs. Die Umrandungen der Reihengräber der Soldaten wurden beseitigt und die Grabplatten nach den Entwürfen des Dresdner Gartenarchitekt Hermann Schüttauf auf Rabatten niedergelegt, die Zwischenräume mit Polyantha-Rosen bepflanzt (siehe Abb. 8). Auch die Kindergrabstätten im Grabfeld 4 sind in zwei Reihen neu gesetzt worden. Gräber von Offizieren und Zivilisten, die umgefallen waren, wurden wieder aufgestellt und verblieben an ihrem Standort.

Ab 1. April 1970 erfolgte laut Vertrag mit dem Rat der Stadt Weimar eine Übernahme der Parkanlage Belvedere in die Zuständigkeit der Nationale Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar (NFG), heute Klassik Stiftung Weimar. Für die Unterhaltung und Pflege der Friedhofsanlage blieb weiterhin die Stadtverwaltung Weimar verantwortlich.
3. Umgestaltungen zwischen 1982 und 1989
In der Aktennotiz zur Besichtigung des sowjetischen Friedhofes Belvedere am 5. Juli 1982 äußerte sich der Oberstleutnant Awerjanow unzufrieden besonders über den botanischen Zustand des Friedhofs, dieser sei den dort bestatteten Angehörigen der Roten Armee nicht würdig. Namentlich die durch witterungsbedingte Einflüsse teilweise unleserlichen Kunststeingrabplatten wurden bemängelt. Ein anwesender Steinmetz schlug zur Erleichterung von Pflegearbeiten, eine maschinelle Rasenmahd war zwischen den Liegeplatten nicht möglich, die Errichtung von kollektiven Namensstelen vor.
Nach Beratungen stimmte der sowjetische Kommandant einer Umgestaltung zur Verbesserung der Pflege zu. Nicht beachtet wurde dabei das geltende Kriegsgräberrecht, das eine Einzelgrabkennzeichnung sowie die Trennung von Zivilgräbern und Kriegsgräbern vorschreibt.
In den Jahren 1982 bis 1989 erfolgten weitere Umgestaltungsmaßnahmen. Die liegenden Grabplatten der Soldatengräber wurden abgetragen und durch Namensstelen im Grabfeld 2, 3 und 6 ersetzt. Die Namenstelen erhielten 35 bis 36 Inschriften pro Stein (siehe Abb. 9).

Die orthografische Übertragung und Kontrolle der Namensschreibung von den Grabplatten auf die Stelen erfolgte ab 1983 zwar unter Mithilfe der Kommandantur, jedoch auch unter größter Eile. Grund war der Besuch eines sowjetischen Kommandanten, der seinen bestatteten Bruder auf dem Friedhof besuchen wollte. Aufgrund der kurzen Bearbeitungszeit kam es bei einigen Namensinschriften zu Übertragungsfehlern. Nach Protesten mehrerer Angehörigen blieben einige liegende Grabplatten erhalten.


4. Der Zustand des Friedhofs ab 1990
Die in der DDR begonnene Umgestaltung setzte sich nach der Wiedervereinigung Deutschlands, wenn auch zunächst verzögert, fort. Dies geschah weiterhin in Absprache mit der russischen Seite, der Oberen Denkmalschutzbehörde des Freistaats Thüringen und der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Weimar sowie dem Volksbund für Kriegsgräberfürsorge und dem Thüringer Landesverwaltungsamt. Dabei wurde festgestellt, dass es bei der übereilten Umgestaltung ab 1983 auf einigen Grabstelen zu doppelt ausgeführten Inschriften gekommen war. Obwohl nur diese beräumt wurden, kam es Anfang der 1990er Jahre in der deutschen Zivilbevölkerung zu Protesten. (siehe Abb. 12).

Im August 1997 wurde Grabfeld 6 beräumt, nachdem die Namen der Toten auf Stelen erfasst worden waren. Im Jahr darauf begann eine grundhafte Sanierung. Im Grabfeld 1 und 4 wurden die Einzelgrabsteine neu fundamentiert und teilweise ergänzt sowie gereinigt und konservatorisch behandelt. Ziel der Maßnahme war ihre Erhaltung, jedoch keine Restaurierung (siehe Abb. 13). Am westlichen Rand des Grabfeldes 2 erfolgte eine Drehung von sieben Betonstelen mit der Schriftseite um 180 Grad in Richtung Eingang, um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Im Eingangsbereich des ehemaligen Wachhäuschens ließ die Stadt Weimar 1999 eine Orientierungstafel anbringen, um die Grabstellen besser aufzufinden (siehe Abb. 14).


Zudem erfolgte eine Fortsetzung der Sanierungsarbeiten an Grabmalen im Feld 1 und 4, die nicht unter das Kriegsgräbergesetz fallen. Im Februar des Jahres 1999 kam es durch Vandalismus zu Schäden an 46 Grabsteinen und 10 Grabtafeln, vor allem im Grabfeld 4 und 1, die zu beheben waren. Die letzte umfassende Sanierung erfolgte 2026 auf Grundlage einer denkmalpflegerischen Studie von Landschaftsarchitekten des Weimarer Planungsbüros Rau.
5. Zustand des Friedhofs im Jahre 2026
Insgesamt sind auf dem sowjetischen Friedhof in Belvedere von 1946 bis 1991 2027 Bestattungen durchgeführt worden, wobei fast die Hälfte, 47%, unmittelbar in der Nachkriegszeit bis 1949 stattfanden. Der Hauptanteil der Verstorbenen betraf mit 80% Soldaten und Unteroffiziere, dazu 6% Offiziere und 9% Kinder sowie 4% Ehefrauen und Zivilangestellte. 1160 dieser Gräber betreffen Verstorbene vor dem Stichtag 31. März 1952, die durch das Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg- und Gewaltherrschaft besonders geschützt sind und ewiges Ruherecht besitzen. Die Zivilgräber der danach Verstorbenen unterliegen dem Bestattungsrecht der Bundesrepublik Deutschland mit einer 30jährigen Liegezeit für Erdbestattungen.
Die nahezu kreisförmige Anlage des sowjetischen Friedhofes unterteilt sich in sechs Grabfelder und einem Wegekreuz, in dessen Mitte ein ca. 6 Meter hoher Obelisken aus Travertin auf einer umlaufenden Treppenanlage steht (siehe Abb. 15). An allen vier Seiten ist das Staatswappen der Sowjetunion angebracht, an der nördlichen Seite befindet sich eine Einzelgedenktafel aus Metall.

Übersichtsplan Grabfelder:
Feld 2, 3 und 6: Grabstelen
Gemeinschaftsgräber,
Soldatengräber
Feld 5: Einzelgräber
Kindergräber
Feld 1 und 4: Einzelgräber
Zivilisten und
Offiziersgräber
Der Obelisk ist das zentrale Mahnmal der Friedhofsanlage und steht in der historischen Blickachse zwischen Schloss Belvedere und dem Weimarer Stadtschloss.
Das zweiflügelige Eingangstor, ursprünglich aus Holz, jetzt aus Metall, trägt die Symbole der ehemaligen Sowjetunion: Sichel, Hammer und Sowjetstern. Am ehemaligen eingeschossigen Wachhaus befindet sich seit Juni 2026 eine Informationstafel mit Eckdaten zur Geschichte des sowjetischen Friedhofs.
Der Friedhof Belvedere unterliegt dem deutschen Kriegsgräbergesetz, dem Thüringer Denkmalschutzgesetz sowie einem Abkommen über Kriegsgräbervorsorge zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation vom 16. Dezember 1992. Sie alle garantieren den dauerhaften Erhalt der Kriegsgräber, die uns heute als Mahnmale für Frieden und Völkerverständigung dienen. Zusammen mit Schloss und Park Belvedere zählt der sowjetische Ehrenfriedhof seit 1998 zum UNESCO-Welterbe Klassisches Weimar.

6. Quellen und Literatur zum Weiterlesen
Böttcher, Jürgen, Zur Geschichte des sowjetischen Friedhofes in Belvedere. Kunstfest Weimar 1995.
Satjukow, Silke: „Die Russen“ in Deutschland 1945 bis 1994, Göttingen 2008.
7. Bildnachweis:
Die Abbildungen aus dem Bestand der ‚Klassik Stiftung Weimar‘ werden mit freundlicher Genehmigung der ‚Klassik Stiftung Weimar‘ veröffentlicht.
