Sexismus
Sexismus bezeichnet die Diskriminierung oder Benachteiligung aufgrund des Geschlechts. Er kann sich in Worten, Handlungen oder Strukturen äußern und betrifft häufig Frauen, kann aber auch Männer oder nicht-binäre Personen treffen. Sexismus fängt mit anzüglichen Bemerkungen an und ist eine Herabwürdigung des Anderen. Sexismus hat auch eine strukturelle Dimension. Eine Auswirkung des strukturellen Sexismus ist etwa die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen.
Quelle: EAF Berlin - Gemeinsam gegen Sexismus
FAQ
Sexistische Aussagen oder Handlungen beinhalten:
- Sexistische Sprache und Witze und deren Verharmlosung wie zum Beispiel
„Wenn Du nicht so hübsch wärst, wärst Du nie soweit gekommen."
„Entspann dich mal, ich mach doch nur Spaß!“ - Kommentare über das Aussehen
- Anzügliche oder herabwürdigende Bemerkungen
- Starre Rollenvorstellungen für Männer und Frauen wie zum Beispiel stereotype Aussagen „Frauen können nicht...“, „Männer müssen..."
- Abwertung und Herabsetzung aufgrund des Geschlechts
- Duldung von Gewalt
- Erniedrigung
- Sexualisierung von Frauen oder Männern
- Ausgrenzung und unsichtbar machen wie zum Beispiel Ignorieren oder Übergehen in Gesprächen aufgrund des Geschlechts
- Ausüben von Kontrolle
- Beleidigungen
- Drohungen
Sexismus hat viele Facetten
- Offener (feindlicher) Sexismus:
Direkte Diskriminierung, Beleidigungen oder Abwertung ist die feindliche Einstellung gegenüber Frauen oder Männern. Dies kann sich in aggressiven Verhaltensweisen oder diskriminierende Äußerungen äußern, die Frauen oder Männer aufgrund ihres Geschlechts herabwürdigen oder ihre Fähigkeiten in Frage stellen. - Alltagssexismus:
beschreibt subtile, oft unbewusste sexistische Äußerungen und Verhaltensweisen, die im täglichen Leben vorkommen. Sexismus ist im Alltag nicht immer leicht zu erkennen.
Beispiele:
- Stereotype Aussagen wie „Frauen sind zu emotional“
- Gender Pricing: Frauen zahlen für die gleichen Pflegeprodukte oft mehr: z.B. Kurzhaarschnitt im Friseursalon - Sex sells:
Werbung arbeitet häufig mit vereinfachenden Stereotypen. Sie bringt zum Ausdruck, dass sich ein Produkt besser verkauft, wenn es in einem Kontext dargestellt wird, der sexuelle Inhalte präsentiert. Das schränkt unsere Vorstellungen von Geschlecht nachhaltig ein.
Beispiel:
- leicht bekleidete Frauen, die in der Werbung als Blickfang dienen
- vorübergehendes Heranzoomen und sekundenlanges in Großaufnahme bringen von jungen Frauen in Fernsehshows
- Pink als Symbolfarbe und damit als klischeebesetzte Farbe für Mädchen (Spielzeug,...) - Struktureller Sexismus:
- ist die systematische Benachteiligung und Ungleichbehandlung von Personen aufgrund ihres Geschlechts
- Sexismus ist messbar.
Beispiele:
- Gender Pay Gap: Die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen wird zur Gender Lifetime Earning Gap, zur Geschlechterlücke im
Lebenserwerbseinkommen
- das führt später zum Gender Pensions Gap, der weiblichen Altersarmut: Frauen über 65 sind stärker von Armut betroffen als Männer. Das wirkt sich nicht nur auf
die einzelne Frau, sondern auch auf die gemeinschaftlichen Sozialausgaben aus.
- Gender Care Gap: Frauen wenden pro Tag durchschnittlich 52,4% mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit auf als Männer.
- Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen - Moderner Sexismus: umfasst die Leugnung von Diskriminierung und die Ablehnung von Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter
- Sexismus als Machtwerkzeug
zum Beispiel in der Politik: 60 Prozent der deutschen Politiker*innen unter 45 Jahren haben im Rahmen ihrer politischen Karriere sexualisierte Belästigung erlebt. - Catcalling: beschreibt die verbale sexuelle Belästigung ohne Berührung, zum Beispiel Rufe mit sexualisierten Ausdrücken, Anstarren oder Pfiffe
- Sexistische Gewalt: Belästigung, Nötigung oder Übergriffe aufgrund des Geschlechts
-
Mehrfachdiskriminierung:
Verschiedene Diskriminierungsformen verschränken sich mit Sexismus. Frauen die neben Sexismus auch noch von Rassismus betroffen sind werden meist stärker diskriminiert.
Quelle: EAF Berlin - Gemeinsam gegen Sexismus
Nein, auch Männer können von Sexismus betroffen sein, etwa durch bestimmte Erwartungen an „Männlichkeit“.
"Eine Metastudie der Indiana University Bloomington (Wong et al. 2017), die 78 Studien mit fast 20.000 Teilnehmenden einbezog, zeigte auch signifikante Auswirkungen von Sexismus auf die männliche Psyche. Hier geht es um verinnerlichte Vorstellungen von Männlichkeit, die dazu
führen, dass Männer Probleme nicht offen ansprechen. Die Studie ergab, dass Männer, die versuchen, dem „starken Mann“-Ideal zu entsprechen, häufiger unter psychischen
Problemen leiden und seltener psychologische Hilfe suchen. Dies zeigt sich auch in den hohen Suizidraten von Männern: 2023 wurden 73 Prozent der Suizide in Deutschland von Männern begangen (Destatis 2023).
Männer sind ebenfalls von sexistischen Vorurteilen betroffen, wenn Gewalt gegen sie übersehen oder verharmlost wird. Rund zwei Drittel der Gewaltopfer im öffentlichen Raum und ein Fünftel der Opfer häuslicher Gewalt sind Männer (Theunert 2020: 11). Die Studie weist darauf
hin, dass Sexismus auch die Ursache für Probleme wie Depressionen, Substanzmissbrauch, Körperbildprobleme und gestörtes Sozialverhalten sein kann (Wong et al.: 2)."
Allerdings sind Frauen, Frauen mit Behinderung und nicht-binäre Personen statistisch deutlich häufiger Opfer von strukturellem und individuellem Sexismus.
Quelle: EAF Berlin - Gemeinsam gegen Sexismus
Sexismus ist eine Form der Diskriminierung. Sexuelle Belästigung ist eine spezifische Form von Sexismus, die unerwünschtes sexuelles Verhalten umfasst.
Sexismus bezeichnet die auf das Geschlecht bezogene Diskriminierung und wird unter dieser Definition in der Gesetzgebung (im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz- AGG) genauer berücksichtigt und ist Gegenstand der Sozialforschung.
Sexismus zeichnet sich damit insbesondere durch die strukturelle Unterscheidung von Frauen und Männern aufgrund ihres Geschlechts aus. Darunter fallen außerdem geschlechterstereotype, also vorurteilsbehaftete, oft negative Einstellungen, die wiederum zu Erwartungen, Wahrnehmungen, Affekten und Verhaltensweisen führen, die Menschen abwerten und einen ungleichen sozialen Status von Frauen und Männern herstellen oder festigen.
Sexuelle Belästigung stellt ein geschlechtsbezogenes, unangemessenes Verhalten als eine mögliche Form resultierenden, sexistischen Verhaltens dar.
Die sexuelle Belästigung, etwa am Arbeitsplatz, ist klar definiert und juristisch relevant, da Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben. Diese ist ebenfalls im AGG definiert. Dabei unterscheidet das AGG zwischen sexueller Belästigung als Belästigung aufgrund des Geschlechts und Belästigung aufgrund anderer Merkmale (wie Alter oder Religion).
"Sexismus" ist also der umfassendere Begriff, weil er auch Überzeugungen und Einstellungen einschließt, wohingegen "sexuelle Belästigung" sich immer auf Verhalten bezieht, das dazu führt, dass sich eine Person unwohl und in ihrer Würde verletzt fühlt (z. B. körperliche Annäherung oder anzügliche Bemerkungen).
Auf den ersten Blick scheint Sexismus vor allem ein moralisches Problem zu sein, schließlich wird durch ihn unsere Vorstellung von der Würde und Gleichheit der Menschen verletzt. Doch Sexismus ist ganz konkret schädlich, und zwar nicht nur für die von Sexismus betroffenen Menschen, sondern für die gesamte Gesellschaft und ihre Organisationen. So hemmt Sexismus wirtschaftliche Erfolge und verursacht Kosten, zum Beispiel für Unternehmen und unser Gesundheitssystem. Auch wirkt sich Sexismus entgegen der landläufigen Vorstellung nicht nur negativ auf Frauen aus – auch Männern schaden Stereotype von Männlichkeit und Weiblichkeit.
Auswirkungen auf Einzelpersonen
Das Erleben von Sexismus erzeugt Wut und Angst bei den Betroffenen und kann sich negativ auf das Selbstbild auswirken. Ein sexistisches Arbeitsumfeld vermindert die Leistungsfähigkeit und die Zufriedenheit. Betroffene erkranken zudem häufiger an Depressionen.
Sexismus trägt dazu bei, dass ein Mensch objektifiziert und abgewertet wird, während der Fokus auf dessen Identität, Charakter und Fähigkeiten verloren geht.
Auswirkungen auf Unternehmen
Sexismus schädigt Unternehmen und Organisationen. Mitarbeitende zeigen schlechtere Leistungen, haben mehr Fehlzeiten und verlassen häufiger das Unternehmen. Ein sexistisches Arbeitsumfeld spricht sich herum: Sexismus schädigt die Reputation des Unternehmens und wirkt sich negativ auf die Arbeitsplatzattraktivität aus. Stereotype und sexistische Einstellungen drängen Frauen und Männer in Berufe, die als „typisch weiblich“ oder „typisch männlich“ gelten. So geht enormes Potential verloren.
Sexismus kann das Selbstwertgefühl, die psychische Gesundheit und die Karrierechancen beeinträchtigen. Langfristig führt er zu struktureller Ungleichheit in Gesellschaft und Arbeitswelt.
Quelle: EAF Berlin - Gemeinsam gegen Sexismus
Auch scheinbar „harmlose“ Vorfälle führen zu Akzeptanz von Sexismus in der Gesellschaft und können zu schwerwiegender Gewalt führen.
Es beginnt mit Objektifizieren:
- ungewolltes Anstarren
- Hinterherpfeifen
- Anhupen
- Kommentieren
- sexistische Sprache und Witze
- Anmachen
- erfolgen
geht weiter mit Herabwürdigen
- Beschämen
- Beleidigen
- Erniedrigen
- Anfassen
- Grapschen
- Drohen
- Kontrolle
- Sexualisierung von Frauen oder Männern
und kann sich Fortsetzen mit Attackieren
- Stalking
- mit (sexueller) Belästigung (am Arbeitsplatz)
- physischer und psychischer Gewalt
- Vergewaltigung und sexuelle Gewalt
- bis hin zu Mord
- Ansprechen: Machen Sie deutlich, dass das Verhalten nicht akzeptabel ist
- Unterstützen: Bieten Sie Betroffenen Hilfe an
- Sensibilisieren: Setzen Sie sich für respektvollen Umgang ein
- Melden: Nutzen Sie die Meldestellen:
- Die „Meldestelle Antifeminismus“ nimmt sexistische, frauenfeindliche und LGBTI-feindliche Vorkommnisse auf. Dazu gehören: menschenfeindliche
Botschaften, Angriffe auf Gleichstellung, politische Strategien gegen Emanzipationsbestreben.
- Der Deutsche Werberat nimmt als Selbstkontrolleinrichtung der Werbebranche Beschwerden
entgegen: https://werberat.de/beschwerde/beschwerdeformular/
