Bauhaus Weimar 1919–1925
With greetings from Weimar!
1) Das Bauhaus - die Gründung
Das Bauhaus ist ein Kind der Weimarer Republik. Es wird 1919 in Weimar von Walter Gropius gegründet. Gropius hatte sich die Reform der Künstler- und Künstlerinnenausbildung zum Ziel gesetzt. Er vereinigt die seit 1915 geschlossene Kunstgewerbeschule von Henry van de Velde und die Großherzoglich Sächsische Hochschule für bildende Kunst zu einer Schule: dem Staatlichen Bauhaus in Weimar.
2) Walter Gropius
Von der Ausbildung ist Gropius Architekt. Er leitet das Bauhaus als Direktor von 1919 bis 1925 in Weimar und bis 1928 in Dessau. In einer Zeit der Umbrüche baut er eine völlig neue Hochschule auf.
3) Handwerk statt Kunst
In seinem Bauhaus-Manifest fordert Walter Gropius einen Neubeginn der künstlerischen Ausbildung und entwickelt ein visionäres Lehrprogramm. Das Bauhaus-Programm erklärt, dass die Kunst nicht lehrbar sei, aber Kunst und Handwerk dieselben Grundbegriffe hätten. Die Kunst soll wieder gesellschaftlichen Aufgaben dienen, die Trennung zwischen freier Kunst und Kunsthandwerk soll aufgehoben werden.
Statt wie in Akademien Malerei und Zeichnen zu studieren, lernen alle Schüler und Schülerinnen stattdessen ein Handwerk und werden als Lehrlinge und Gesellen bezeichnet. Die Künstler leiten als Form-Meister mit den Handwerksmeistern die Werkstätten und vermitteln außerdem ihre Theorien in der Form- und Farblehre. Dadurch können sich die Schüler und Schülerinnen mit unterschiedlichen Auffassungen auseinandersetzen.
4) Der Mensch im Mittelpunkt
Das erste Signet des Bauhauses, das sogenannte Sternenmännchen von Karl Peter Röhl, entsteht 1919 in einem Schülerwettbewerb und wird 1922 vom Signet Oskar Schlemmers abgelöst, das sowohl zur Markierung der Bauhaus-Produkte als auch für alle wichtigen Drucksachen der Schule genutzt wurde.
5) Das Bauhaus feiert gern!
Je größer die Not, desto wichtiger ist das Feiern, so erinnert sich der Bauhäusler Andor Weininger. Im Bauhaus-Manifest von 1919 verweist Walter Gropius darauf, dass neben der Lehre auch Musik, Vorträge oder Kostümfeste am Bauhaus stattfinden sollen. Die legendären Bauhaus-Feste wie das jährliche Drachentest oder das Lampionfest werden zum wichtigen Bestandteil schulischen Lebens und tragen zur Mythenbildung bei. In vielen Erinnerungen nehmen diese Feste einen wichtigen Platz ein.
Unverzichtbarer Bestandteil ist das improvisierte Spiel der Bauhaus-Kapelle. Impulse werden von außen in das Bauhaus getragen, aber auch die Schule zur Stadt hin geöffnet. Im Rahmen der Bauhaus-Abende findet eine legendäre Performance der expressionistischen Dichterin Else Lasker-Schüler statt.
6) Johannes Itten
Itten ist Anhänger der Mazdaznan-Lehre, die Spiritualität mit Körperkultur und Ernährungsvorschriften zusammenführt. Zu Mazdaznan gehört eine Rassenlehre, welche die Vorrangstellung der sogenannten arischen Rasse propagiert. Am Bauhaus führt er 1919 seine Kunstlehre als Vorkurs ein. Es ist der erste systematische Unterricht. Die Methode beruht auf der Wahrnehmung von Kontrasten, Farben, Formen und Materialien mit allen Sinnen. Die Werke alter Meister lässt er nachempfinden und auf Rhythmus und Komposition untersuchen. Ittens Einfluss kann sich kein Schüler und keine Schülerin entziehen: Seine Kurse sind Pflicht und er leitet bis 1922 alle Werkstätten. Aber für ihn ist das Handwerk ein Mittel der Selbstentwicklung und weniger der Berufsausbildung. Damit gerät er mit Gropius in Konflikt und verlässt 1923 das Bauhaus.
7) Wassily Kandinsky
Am Bauhaus beginnt 1921 ein Richtungsstreit. Die Gestaltungslehre soll sich stärker an wissenschaftlichen Methoden orientieren. Kandinsky betreibt strenge Farb- und Formuntersuchungen. Er tritt im Sommer 1922 als Form-Meister in das Bauhaus ein. Kandinsky geht von konkreten Gegenständen aus und vereinfacht sie im analytischen Zeichnen zu abstrakten Darstellungen. Die Farbe untersucht er in Wesen und Wirkung. Da Farbe ohne Form nicht existiert, ordnet er sie der Form unter. Mit einem Fragebogen will der Künstler herausfinden, wie Grundfarben und -formen zusammengehören. Die Erkenntnisse gelten für Kandinsky und seine Schüler und Schülerinnen als Gesetz: Der Kreis ist blau, das Dreieck gelb und das Quadrat rot.
8) Gertrud Grunow
„Denkst du gelb, so kocht sie Tee, denkst Du braun, so kocht sie Kaffee." So steht es in der besonderen Gebrauchsanweisung für eine Kanne, die Gertrud Grunow von ihren Schülern und Schülerinnen geschenkt bekam. Grunow ist Musikpädagogin. Sie unterrichtet am Bauhaus von 1919 bis 1924 Harmonisierungslehre, aber sie lehrt keine Fakten oder Theorien, sondern eröffnet den Bauhäusler und Bauhäuslerinnen eine neue Erfahrungswelt.
In Einzelstunden erarbeitet sie mit ihnen einen persönlichen Farbenkreis. Sie lässt die Schüler und Schülerinnen erspüren, welche Töne, Bewegungen und Materialien zu den Farben passen. So lernen sie sich über ihre Empfindungen und ihren Körper besser kennen und entdecken.
9) Meistermappe des Staatlichen Bauhaus, Exemplar 29/100
Reihenfolge der Graphischen Blätter
- Lionel Feininger: Gelmeroda, 1920, Holzschnitt
- Wassily Kandinsky: Fröhlicher Aufstieg, 1923, Farbige Steinzeichnung
- Paul Klee: Der Verliebte, 1923, Farbige Steinzeichnung
- Gerhard Marcus: Am Öfchen, 1923, Holzschnitt
- Georg Muche: Radierung - wird nicht gezeigt
- Ladislaus Moholy-Nagy: Komposition, 1923, Farbige Steinzeichnung
- Oscar Schlemmer: Abstrakte Figur nach links, Figur "S", 1923, Radierung
- Lothar Schreyer: Balkennetz mit Diagonalen, 1923, Holzschnitt
10) Marcel Breuer
Die neuen Möbel der 1920er Jahre sind leicht und flexibel. Sie sollten den Raum nicht blockieren: Man träumte vom Sitzen auf einer Luftsäule. Damit die Stühle erschwinglich blieben, verwendete Marcel Breuer einfache Hölzer. Breuers Lattenstuhl wird aus Meterware mit gleichem Querschnitt gefertigt, so dass kaum Abfall anfällt.
11) Paul Klee
Ab 1920 unterrichtet Paul Klee am Bauhaus. Zunächst leitet er mit Otto Dorfner die Buchbindereiwerkstatt und übernimmt 1922 die Glasmalerei. In seiner Formenlehre untersucht Klee, wie Bildelemente entstehen. Wie wird ein Punkt durch Bewegung zur Linie? Spaziert der Punkt, wächst er zur Wellenlinie; strebt er eilig einem Ziel zu, ist er auf Geschäftsgang und wandelt sich zur Gerade. Auch die Farbe behandelt Klee anschaulich. Die Schüler und Schülerinnen lernen von ihm, einem Bild Gleichgewicht und Struktur zu verleihen. Besonders bedeutsam ist Klees Unterricht für die Weberei-Lehrlinge.
12) Benita Koch-Otte
Vorerst als Zeichen- und Turnlehrerin tätig, verlässt Otte ihren Lehrerinnenjob, um zunächst als Schülerin, dann als Mitarbeiterin der Webereiwerkstatt zu arbeiten. Gemeinsam mit Gunta Stölzl gehört Benita Otte zu den begabtesten Studentinnen der Weberei am Bauhaus. Paul Klees Lehre von Form und Farbe beeinflusst ihr Schaffen, die sie konzeptionell in ihre Textilien einarbeitet.
13) Oskar Schlemmer
Oskar Schlemmer wird einer der wichtigsten Bauhaus-Meister und übernimmt zeitweilig die Leitung einiger Werkstätten wie die Wandmalerei und die Holz- und Steinbildhauerei und ab 1923 schließlich die Bühnenwerkstatt. Sein zentrales Thema ist immer der Mensch „als Mittelpunkt der Welt" und im Raum. Schlemmer will Menschen-Typen schaffen und keine individuellen Porträts. Seine Figuren sind abstrahiert, gehen vom Gesetzmäßigen und vom Umriss aus, werden zweidimensional. Mit der Wandmalerei-Werkstatt fertigt Schlemmer 1923 zur Bauhaus-Ausstellung in den Bauhaus-Gebäuden großformatige Darstellungen. Sie werden 1930 von den Nationalsozialisten zerstört.
14) Gerhard Marcks
Gerhard Marcks beginnt im Oktober 1919 seine Tätigkeit als Formmeister am Bauhaus. Der Bildhauer soll eine Werkstatt für architekturbezogene Keramik leiten. Die Töpferlehrlinge ziehen 1920 mit ihm ins 30 km entfernte Dornburg und leben wie in einer Landkommune. Um das Handwerk zu lernen, drehen sie an den Töpferscheiben Mustöpfe und andere Gebrauchskeramik, die auf Bauernmärkten verkauft werden. Erst wenn sie die Technik beherrschen, dürfen sie Formexperimente wagen. Ab 1922 setzen sich die Töpfer und Töpferinnen mit maschineller Serienproduktion auseinander und entwickeln Prototypen, die in Fabriken gefertigt werden können
15) Bauhaus-Ausstellung 1923
Sie muss ein Erfolg werden: Auf dem Höhepunkt der Inflation organisiert das Bauhaus von 15. August bis 30. September 1923 eine Ausstellung in Weimar und präsentierte erstmalig Arbeiten der Öffentlichkeit.
Die Landesregierung hatte die Vergabe eines weiteren Kredits an eine Leistungsschau geknüpft. Gropius konzentriert alles auf dieses Ziel. Mit dem programmatischen Vortrag „Kunst und Technik - eine neue Einheit" leitet er die Bauhaus-Woche ein. Größtes Ausstellungsobjekt ist das Musterhaus Am Horn. Kunstausstellungen finden im Landesmuseum statt. Im Bauhaus-Gebäude werden Arbeiten aus dem Vorkurs und den Werkstätten gezeigt. Gropius und Adolf Meyer organisieren die erste internationale Architekturausstellung.
Die Bühnenwerkstatt bereitet ein Programm für das Stadttheater Jena vor. Das „Triadische Ballett" wird im Deutschen Nationaltheater in Weimar aufgeführt, ebenso ein Musikprogramm. Finanziell ein Desaster, erregt die Ausstellung national und international viel Aufmerksamkeit und macht das Bauhaus berühmt.
16) Haus Am Horn
Für die Ausstellung 1923 arbeiten alle Werkstätten an einem Versuchshaus.
Georg Muche, jüngster Bauhaus-Meister und Maler, liefert den Entwurf: ein bezahlbares und modernes Heim für eine dreiköpfige Familie. Im zentralen Wohnraum spielt sich das Leben ab, gerahmt von den Rückzugsräumen, Bad, Speisezimmer und Küche. Ein Garten ernährt die Familie. Die kompakte Form, das Flachdach und die silbergraue Fassade lassen das Haus in der Siedlung „Am Horn" hervorstechen.
Manchen erscheint es als „Haus für Marsbewohner". Für Generationen von Architekten ist die erste Bauhaus-Architektur Vorbild und Pilgerstätte. Nach Restaurierung und Rückbau von Anbauten ist das Haus Am Horn wieder erlebbar.
Das Bauhaus in Weimar 1919–1925
Die kleinste Bauhaus-Ausstellung der Welt geht auf Reisen durch Weimars Partnerstädte
- Veranstalter:
- Stadt Weimar
- Kuratiert von:
- Dr. Cornelia Erdmann
- Kooperation & fachliche Unterstützung:
- Klassik Stiftung Weimar, Bauhaus-Museum Weimar
(Direktion Museen Dr. Annette Ludwig, Dr. Ulrike Bestgen, Dr. Ute Ackermann) - Gefördert durch:
- Bauhaus.Weimar.Moderne. Die Kunstfreunde e.V.
Bildnachweise
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