Jahresbilanz Familienamt

Unterstützung für Eltern und ihre KinderUnterstützung für Eltern und ihre KinderFamilien in Weimar ©Familien in Weimar ©

Kindertagesbetreuung: Strukturelle Anpassung und Stabilität

Die demografische Entwicklung mit rückläufigen Geburtenzahlen erforderte 2025 eine verantwortungsvolle und konsequente Weiterentwicklung unserer Weimarer Angebotsstrukturen in der Kindertagesbetreuung.

Bedarfsplanprozess: Der diesjährige Bedarfsplanprozess war fachlich und organisatorisch eine große Herausforderung. Im Ergebnis wurde die Schließung von fünf Einrichtungen zum Ende des Kindergartenjahres 2025/2026 mit einem Abbau von 303 Plätzen beschlossen. Diese schmerzhaften, aber notwendigen strukturellen Anpassungen dienen der Stabilisierung der verbleibenden Kindergärten und sichern langfristig eine bedarfsgerechte Versorgung für die aktuell 2.456 betreuten Kinder. Über diese Maßnahmen hinaus sind für den Bedarfsplan 2026/2027 keine weiteren Schließungen vorgesehen.

Verbesserte Servicequalität: Durch die konsequente Aufarbeitung von Bearbeitungsrückständen bei Anträgen auf Übernahme von Elternbeiträgen sowie der Elternbeitragserhebung in der Kindertagespflege konnten wir die Servicequalität gegenüber den Familien deutlich verbessern.

Digitalisierung: Das Anmeldeportal KIVAN hat sich weiter etabliert und zählt bereits rund 1.300 aktive Nutzer. Mit der umfassend überarbeiteten Internetpräsenz, die zahlreiche Dokumente zum Download anbietet, haben wir den Zugang zu Informationen und Betreuungsplätzen weiter vereinfacht.

Pflegekinderhilfe: Neuaufstellung und herausragende Anerkennung

Die Pflegekinderhilfe wurde im zurückliegenden Jahr umfassend umstrukturiert und fachlich neu im Kontext der sozialraumorientierten Arbeit aufgestellt.

Qualität und Transparenz: Wir konnten neue Verfahrensstandards erarbeiten, die künftig eine einheitlichere, transparentere und qualitativ gesicherte Arbeitsweise gewährleisten.

Gewinnung von Pflegefamilien: Durch neue, beständige Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit, insbesondere durch Infoabende, konnten wir eine kontinuierlich steigende Zahl von Pflegeelterninteressenten verzeichnen.

Höchste Auszeichnung: Die herausragende Leistung unserer Pflegefamilien wurde in besonderer Weise gewürdigt: Eine Weimarer Pflegefamilie erhielt den 30. Kinderrechtspreis. Diese Auszeichnung würdigt nicht nur das Engagement dieser Familie, sondern unterstreicht stellvertretend die Bedeutung aller Pflegefamilien als unverzichtbaren Teil unserer sozialen Gemeinschaft.

Stabilisierung der Sozialen Sicherung und Verwaltungsentwicklung

Auch in den Bereichen Soziale Sicherung und Finanzen haben wir im Jahr 2025 entscheidende Fortschritte erzielt – oft unter schwierigen Rahmenbedingungen.

Finanzen und Zuwendungsmanagement

Verlässlichkeit: Im Zuwendungsmanagement wurde ein hoher Grad an Planungssicherheit erreicht: Nahezu alle Vereinbarungen für 2026 konnten bereits abgeschlossen werden, was den freien Trägern und Projektpartnern frühzeitig eine stabile finanzielle Grundlage sichert.

Zukunftsvorbereitung: Die intensive Vorbereitung auf die Umstellung des Finanzverfahrens auf INFOMA ab 2027 hat begonnen und wird uns auch im kommenden Jahr bei organisatorischen, technischen und prozessualen Anpassungen begleiten.

Asyl

Flüchtlingssituation: Wir verzeichneten eine leichte Entspannung der Flüchtlingssituation durch den Rückgang der Zahlen. Dennoch blieb die Unterbringung angesichts des angespannten Wohnungsmarktes eine Herausforderung.

Bezahlkarte und Bauprojekt: Der Beitritt zur landesweiten Bezahlkarte für Flüchtlinge wurde erklärt und die organisatorischen Voraussetzungen für die zeitnahe Ausgabe geschaffen. Ebenso wurde mit dem Umbau der Gemeinschaftsunterkunft Nordstraße 11 a begonnen.

Besondere Herausforderung: Die Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes für Erwachsene berichten von der wachsenden Not der Bürger auf dem Wohnungsmarkt und der auffälligen Zunahme psychischer oder suchtbedingter Erkrankungen bei von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen – eine Problematik, die unsere besondere Aufmerksamkeit erfordert.

Leistungen des Landes und des Bundes

Wohngeld-Dynamisierung: Die Dynamisierung des Wohngeldes seit dem 1. Januar 2025 führte zu einem Anstieg der Förderung um durchschnittlich rund 15 % und machte mehr Haushalte anspruchsberechtigt.

Gleichzeitig haben mehr Familien Anspruch auf Leistungen des BuT. Durch den engagierten Einsatz des zusätzlichen Sachbearbeiters konnten die Bearbeitungszeiten trotz gestiegener Fallzahlen stabil gehalten werden.

BAföG und Elterngeld: Durch das 29. BAföG-Änderungsgesetz gelten seit dem Wintersemester 2024/2025 höhere Bedarfssätze und die höheren Freibeträge beim Elterneinkommen erhöhen die Chancen auf einen BAföG-Anspruch. Trotz einer deutlichen Steigerung der Anträge gegenüber 2024 konnten die Bearbeitungszeiten bei der Ausbildungsförderung stabil gehalten werden.

Umzüge: Die Mitarbeitenden der Elterngeldstelle und der Ausbildungsförderung sind jetzt wieder im Haus 1 anzutreffen.

Unterhaltsvorschuss: Obwohl Kindergeld und Mindestunterhalt sich zum 1. Januar 2026 erhöhen, bleiben die Auszahlungsbeträge aufgrund der Anrechnung unverändert – die Online-Antragstellung steht den Nutzern bereits zur Verfügung.

Sozialraumorientierung

Hilfen zur Erziehung

Der Stadtrat hat zu Beginn des Jahr 2020 beschlossen, das Fachkonzept der Sozialraumorientierung nach Prof. Hinte in der Kinder- und Jugendhilfe und in der Eingliederungshilfe schrittweise zu etablieren.

Nach einer erfolgreichen zweijährigen Einführungsphase in den erzieherischen Hilfen läuft das Vorhaben, das Fachkonzept in den erzieherischen Hilfen umzusetzen seit 2023 im Regelbetrieb und wird für die kommenden 5 Jahre bis 2027 systematisch als durchgehend handlungsleitend für die Sozialarbeit verankert. Des Weiteren wurde in einem zweiten Schritt ebenfalls für einen 5-Jahres-Zeitraum beschlossen, die Etablierung des Fachkonzeptes auf den Bereich der Teilhabe an schulischer Bildung im Rahmen der Eingliederungshilfe auszuweiten.

Im Jahr 2025 wurde die Bearbeitung der Pflegekinderfälle in den Regionalen Sozialdienst übernommen und findet zukünftig ihre Umsetzung nach den Standards des Fachkonzeptes und in Kooperation mit den Sozialraumträgern. Durch vielfältige Maßnahmen, wie z.B. Informations- und Begegnungsveranstaltungen ist es gelungen, deutlich mehr interessierte Personen als in den Vorjahren für dieses Thema zu gewinnen.

Schulbegleitung

Mit Beginn des Schuljahres 2022/23 wurde damit begonnen, auch im Bereich der schulischen Bildungsteilhabe regionale Teams aufzubauen, um zukünftig in einer gemeinsamen Kooperation zwischen dem öffentlichen Träger und den etablierten freien Trägern die Ausgestaltung der Hilfe zur Teilhabe an Bildung mit und an den Weimarer Schulen zu realisieren. Ein Team von Atze Assistenz gGmbH und zwei Teams von Inklusive Bildung Lebenshilfe Weimar/Apolda gGmbH führen in den kommenden Jahren an den Schulen in den Gebieten Nordvorstadt/Nord/Schöndorf, West, Mitte/Süd die Hilfen zur Bildungsteilhabe durch.

Im laufenden Schuljahr 2025/26 wurden umfassende Schulungsmaßnahmen zu den Fach- und Verfahrensstandards einer sozialraumorientierten Sozialarbeit an zahlreichen Weimarer Schulen durchgeführt, um sog. multiprofessionelle Teams an den Einsatzschulen flächendeckend vorzuhalten und professionelle kollegiale Planungs- und Beratungsformate zu etablieren.

Frühförderung

Mit Beginn des Jahres 2025 wurde ein Konzeptentwicklungsprozess zum Umbau der Frühförderung hin zu einem inklusiven familienorientierten Unterstützungssystem gestartet. Dieser soll dazu dienen, die Umsetzung des Fachkonzeptes der Sozialraumorientierung im frühkindlichen Bereich vorzubereiten.

Städtenetzwerk Sozialraumorientierung

Auf Initiative des Familienamtes Weimar wurde im Jahr 2020 begonnen, ein interkommunales Netzwerk aufzubauen, um mit anderen Städten und Landkreisen über Fragen rund um das Fachkonzept in den Informations- und Erfahrungsaustausch zu treten.

Zweimal im Jahr finden Treffen an wechselnden Orten statt, um an gemeinsamen Themen zu arbeiten. Das erste Treffen im Januar 2025 fand in Weimar zum Thema fallunspezifische und fallübergreifende Sozialarbeit statt. Im September 2025 gab es einen Einblick in die Umsetzung von stationären Hilfen in Berlin Steglitz/Zehlendorf. Und ganz aktuelle hat das Netzwerk ein gemeinsames Positionspapier erarbeitet, welches die Bedeutung des Fachkonzeptes für uns als Kommunen hervorhebt und welche gesetzlichen Rahmenbedingungen es dafür noch braucht.

Jugendschutzparcours

An allen weiterführenden Schulen finden in der Klassenstufe 7 regelmäßig die Jugendschutzparcours der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen e. V. (LAG) statt. Während eines Projekttages bearbeiten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen vier Stationen rund um den Jugendschutz. Thematische Schwerpunkte sind das Jugendschutzgesetz, Konsum und Werbung, Medien sowie Suchtprävention.

Beratungsstellenrallye

Im Rahmen der Beratungsstellenrallye öffnen zehn Weimarer Beratungsstellen ihre Türen für die Jugendlichen der 8. Klassen. Die Mitarbeitenden vor Ort informieren darüber, mit welchen Anliegen sich die Jugendlichen an sie wenden können. So erhalten die Jugendlichen einen direkten Überblick darüber, an welchen Standorten sie im Bedarfsfall passende Ansprechpartner finden.

AG Spielraum – Spielpunkt Holzdorf

Im Ortsteil Holzdorf im Legefelder Ortsbereich besteht seit rund zwei Jahren der Kontakt zu Eltern, die den Wunsch nach der Einrichtung eines Spielpunkts geäußert haben. Dieser soll Kindern eine Möglichkeit zum Spielen bieten und zugleich als Treffpunkt für junge Mütter und Väter sowie für begleitende Großeltern dienen.

Das Diakonie Landgut Holzdorf hat sich bereit erklärt, den Spielpunkt auf seinem Gelände einzurichten. Die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel in Höhe von insgesamt 2.500 Euro aus der Haushaltsstelle der AG Spielraum wurden vollständig für die Anfertigung einer Spielhütte als Aufbewahrungsobjekt durch die Diakonie sowie für die gemeinsame Anschaffung von Spielmaterialien mit den Eltern, der Ortsteilbürgermeisterin Frau Schenk und der Ortsteilbeauftragten Theresa Wolf eingesetzt.

Mobile Jugendklub „Treff. Punkt“

Die Förderung aus Bundesmitteln im Rahmen des Zukunftspaketes ermöglichte es der Stadt Weimar im Jahr 2023 zahlreiche Projekte von jungen Menschen zu realisieren. Auch hier wurde bereits der Wunsch nach Treffpunkten im öffentlichen Raum häufig genannt. Eines der eingereichten Projekte war der „mobile Treff.Punkt“ – eine Idee von Studierenden der Bauhausuniversität. Ziel war es, einen mobilen Jugendtreff zu schaffen. Der daraufhin gemeinsam mit jungen Menschen aus Weimar entwickelte Pop-Up Treff lädt seit letztem Jahr temporär an unterschiedlichen Orten im Stadtraum zur Begegnung und zum Austausch ein. Als niedrigschwelliges Angebot trägt die dort mögliche soziale Interaktion entscheidend zur Entwicklung von sozialen Kompetenzen bei. Der Treff.Punkt erreicht auch junge Personengruppen, die bisher nicht die städtischen Jugendeinrichtungen aufgesucht haben. Der jeweilige Standort wurde gemeinsam mit Jugendlichen nach ihren Bedarfen ausgewählt. Er wird temporär durch zwei Fachkräfte des Streetwork vom Team Jugendarbeit betreut, die auch das Konfliktpotenzial mit der Nachbarschaft im Blick behalten. Im vergangenen Jahr wurde der Treff.Punkt im Weimarhallenpark, am Franckschen Hof (hinter dem mon ami) und hinter dem Jugendclub Waggong in Weimar West aufgestellt. Zuletzt stand der „Treff.Punkt“ in Schöndorf auf der Festwiese (2025).

Über die Wintermonate ist der Treff.Punkt eingelagert.

Im Frühjahr 2026 ist es geplant, dass der „Treff.Punkt“ seinen Standort wieder im Weimarhallenpark bekommen soll.

Kinderuni

Bereits im Jahr 2007 kamen verschiedene interessierte Einrichtungen der Stadt Weimar zusammen und beschlossen, gemeinsam die Kinderuniversität zu gründen und sich mit vielen verschiedenen Wissensgebieten einzubringen. Dieser Verbund besteht bis heute.

Die Kinderuni soll Spaß machen und wir wollen Kinder intensiver mitmachen lassen. So gibt es seit einigen Jahren jährlich wechselnde Partnerklassen. Dieses Jahr kommt unsere Partnerklasse von der Grundschule Schöndorf.

Neben den regulären Nachmittagsvorlesungen im Semester gab es zu Beginn des Studienjahres 25/26 den Campustag für Schulklassen und im Sommersemester 2026 ist eine Familienvorlesung geplant. Mit den beliebten Bachelor- und Masterurkunden ist ein vorzeigbarer Kinderuni-Abschluss natürlich auch möglich. Im Wintersemester 2025 gab es wieder zahlreiche Bachelor Abschlüsse und einige Masterabschlüsse.

U 18 Disko „Night Fire Klub“

Am 06.12.2025 fand wieder die U18 Disco für Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren im Mon Ami statt. Jugendliche können hier mehrmals im Jahr in einem geschützten Rahmen feiern. Die Veranstaltung wird immer von SozialpädagogInnen von der Jugendförderung, Streetwork und Sozialraumteams betreut. Es gibt ein Awareness-Team und es wird keinerlei Alkohol ausgeschenkt. Die Veranstaltungsreihe wird sehr gut angenommen. Es feiern bis zu 800 Jugendliche friedlich zusammen. Und weil die Resonanz so überwältigend ist, wird gibt es im kommenden Jahr nicht nur vier, sondern fünf Veranstaltungen.