Mit Kommunikation Wege finden
Rathauskurier 04/2026 | AMT FÜR WIRTSCHAFT UND MÄRKTE muss Interessen von Gewerbetreibenden und Stadtverwaltung zusammenbringen


Der Blick fällt auf ein leeres Schaufenster in der Schillerstraße. Für viele Weimarerinnen und Weimarer ist das einfach ein geschlossenes Geschäft. Für Christian Schwartze ist es ein Signal: Da hängt oft mehr dran als nur ein nicht mehr erfüllbarer Mietvertrag. „Im Bereich des Einzelhandels ist es für uns immer wichtig, dass wir wirklich die Gewerbetreibenden betreuen und zuhören“, sagt der Amtsleiter. Denn die Gründe für Schließungen sind oft die gleichen: Fachkräftemangel, Öffnungszeiten, die nicht mehr zu halten sind, und Mieten, die in der Innenstadt kaum noch zu den Umsätzen passen, wenn Kundschaft ins Internet abwandert.
Dies ist eine „Baustelle“ von Christian Schwartze, der in der Funktion des Amtsleiters für das Amt für Wirtschaft und Märkte zuständig ist. In seiner Position bewegt er sich in einem Spannungsfeld zwischen zwei Erwartungshorizonten: Gewerbetreibende legen Wert auf Tempo und Verlässlichkeit. Die Verwaltung ist dazu verpflichtet, Regeln, Verfahren und Bürgerinteressen zu berücksichtigen. Das sechsköpfige Team ist Teil der Stadtverwaltung und dient als Dienstleister sowie erste Anlaufstelle für alle, die in Weimar unternehmerisch aktiv sind, sich neu ansiedeln oder gründen wollen. Das Amt betreut schwerpunktmäßig drei Gruppen von Unternehmen: Betriebe oder Einzelhändler, die eine Perspektive in der Stadt sehen und dort auch tatsächlich neue Arbeitsplätze schaffen, die schon am Standort sitzen und nach Erweiterungsflächen suchen, und die ihren Standort innerhalb der Stadt verändern wollen, um bessere Bedingungen für ihr Geschäft zu finden.
Kommunikation ist Trumpf
Wirtschaftliche Erfolge zu organisieren, heißt für das Amt in erster Linie mit Gewerbetreibenden ins Gespräch zu kommen. 2025 luden beispielsweise Oberbürgermeister Kleine und das Amt für Wirtschaft und Märkte interessierte Einzelhändler, kurz darauf das Gast- und Taxigewerbe, ins Rathaus ein. Da ging es um harte Fragen: Einzelhandelskonzept der Stadt, Gegenmaßnahmen bei Ladenleerständen, Sichtbarkeit und Präsentation, touristische Entwicklungen, Baustellen und Erreichbarkeit, Perspektiven und Planungen zu Veranstaltungen und Märkten. Bei solchen Gesprächen erwarten die Gäste klare Vorstellungen und Positionen. Sie sind ein wichtiges Werkzeug, um Konflikte früh zu erkennen bevor sie eskalieren.
Den Kern der Arbeit sieht Amtsleiter Schwartze aber in der Kommunikation innerhalb der Verwaltung. Um für Unternehmen aus dem gewerblichen oder industriellen Bereich akzeptable Lösungen zu finden, muss mit den Fachämtern in der Stadtverwaltung effizient zusammengearbeitet werden. Das läuft nicht immer glatt – oft entstehen allerdings über Kompromisse tragfähige Ergebnisse.
Rückschläge gehören dazu – besonders bei Leerstand
Einer der schwierigsten Punkte ist, leerstehende Immobilien wieder in Nutzung zu bringen. Eigentümerinnen und Eigentümer haben eigene Pläne – und die Stadtverwaltung kann da nur bedingt Vorgaben machen. „Was wir aber können, ist Interessen bündeln, Angebot und Nachfrage zusammenbringen, Kontakte herstellen. Das gelingt mal besser, mal weniger gut“, sagt Christian Schwartze – und je größer die Immobilie, desto komplizierter wird es. Das ist der Moment, in dem das Team manchen enttäuschen muss: Nicht jeder Wunsch ist sofort erfüllbar. Nicht jede Fläche wird schnell wieder belebt. Aber dranbleiben lohnt sich, weil jede neue Nutzung Leistungskraft in die Stadt bringt und damit auch Perspektive für Arbeitsplätze.
Gewerbegebiete: Jobmotor für die Stadt
Ein Arbeitsschwerpunkt liegt für das Amt in den Gewerbegebieten Legefeld, Kromsdorfer Straße, Süßenborn und Weimar-Nord. Schwartze beschreibt die Aufgabe hier sehr konkret: „Ansiedlungen als Prozess begleiten – vom Grundstücksverkauf bis hin zur Inbetriebnahme“.
Die Bilanz vom letzten Jahr zeigt, was das in Zahlen heißt: In Legefeld wurden vier Grundstücksverkäufe über insgesamt rund 19.000 Quadratmeter realisiert. In der Kromsdorfer Straße entstand unter anderem ein neues Verteilzentrum, bei dem von rund 120 Beschäftigten die Rede ist. Im Gewerbegebiet Nord werden – bis auf zwei – alle Flächen genutzt. Das ist wichtig, weil es nicht nur um Grundstücksverkauf geht, sondern um Arbeitsplätze vor Ort und Steuereinnahmen für die Stadt, die langfristig Schulen, Straßen, Kultur und Infrastruktur mittragen. Eine bittere Erfahrung der letzten Jahre: Ein umfangreicher Grundstücksverkauf, bei dem der Investor die gestellten Vorgaben nicht eingehalten hat. Das heißt: Rückabwicklung und das Grundstück wieder an den Markt bringen. Das ist für eine gesunde Struktur notwendig und es ist immer gelungen, einen neuen Investor zu finden.
Märkte: Sichtbares Stück Wirtschaftsförderung
Und dann gibt es den Teil, von dem viele Bürgerinnen und Bürger direkt profitieren: Der Wochenmarkt und saisonale Märkte – bis hin zu den Highlights Zwiebelmarkt und Weimarer Weihnacht. Das organisiert der Bereich Märkte im Amt.
Die großen Märkte binden viele Kapazitäten im Amt und der gesamten Stadtverwaltung. Hier sind umfangreiche Vorbereitungen sowie Ausschreibungen nötig und es werden gewaltige Umsätze generiert. Doch Christian Schwartze ist überzeugt, dass auch der Wochenmarkt wichtig ist: Er wird fast täglich auf dem Marktplatz, besonders stark am Freitag und Samstag, zum Treffpunkt und Versorger für Stammkundschaft und Gäste.
Alles dient den Menschen in Weimar
Christian Schwartze fasst die Arbeit des Amtes für Wirtschaft und Märkte so zusammen: „Wenn sich die wirtschaftlichen Akteure vernetzen und Aufträge möglichst in der Stadt oder wenigstens in der Region bleiben, stärkt das die Wirtschaft und bringt den Kreislauf insgesamt und damit auch die Gewerbesteuereinnahmen weiter voran“.
Genau darum geht es: durch Kommunikation Wege finden, auch wenn es Rückschläge gibt. Nicht für kurzfristige Schlagzeilen – sondern dafür, dass Weimar dauerhaft ein guter Ort zum Arbeiten, Gründen, Einkaufen und Leben bleibt.





