Einweihung der Gedenktafel zur Nationalversammlung 1922
Rathauskurier 01/2026 | Weimarer Bilderalbum (Folge 1)


Den Auftakt zu unserer Serie bildet ein erst unlängst wiederentdecktes Fotodokument, das die Einweihung der mit Abstand bekanntesten Weimarer Gedenktafel zeigt. Die von Bauhaus-Direktor Walter Gropius entworfenen Tafel war in den Werkstätten des Apoldaer Glockengießers Heinrich Ulrich gegossen worden. Das Foto entstand vor dem Gebäude des Deutschen Nationaltheaters am 11. August 1922. Der Staatsminister August Baudert hielt eine Ansprache, die er mit den Worten beendete: „Es blühe und gedeihe die deutsche Republik! Sie lebe hoch!“ In einem Pressebericht (Allg. Thür. Landeszeitung Deutschland vom 12. August 1922) heißt es weiter: „In das Hoch stimmten alle kräftig ein, und in demselben Augenblick enthüllte die Tochter des Staatsministers [August] Frölich, Frl. Margarete Frölich, die Erinnerungstafel […]“ Links im Bild ist Staatsrat Albert Rudolph (SPD) zu sehen. – Die Amateuraufnahme ist trotz ihrer mäßigen Qualität (oben links der Abdruck einer rostigen Büroklammer) nicht nur ein seltenes Bilddokument der frühen 1920er Jahre in Weimar, sondern auch ein bedeutendes politisches Zeugnis: In Weimar war bei der Tagung der Nationalversammlung 1919 der erste demokratisch verfasste Staat in Deutschland entstanden, der zu seinem dritten Gründungs-Jahrestag mit der Tafel gefeiert wurde.