1000 Jahre Weimar - Legendäres Großereignis vor 50 Jahren
Kalenderblatt aus dem Stadtarchiv


Rathauskurier 12/2025
Es war das wohl größte „Stadtfest“, das es in der DDR in Weimar jemals gab: Die „1000-Jahr-Feier“ im Okto-ber 1975. Der mutmaßliche Jahrestag der urkundlichen Ersterwähnung, dessen Korrektheit der Archivar und Historiker Hans Eberhardt schon zuvor (und zu recht) angezweifelt hatte, geriet zu einem für eine Klein-stadt seltenen Spektakel. Höhepunkt war ein drei Kilo-meter langer Festumzug mit geschmückten Fahrzeugen und kostümierten Laiendarstellern, insgesamt 2.000 Mit-wirkenden und 200.000 Zuschauern, die am Sonntag, dem 12. Oktober 1975, auf den Beinen waren. Zur Vorbe-reitung hatte man 311 Hausfassaden in der Innenstadt als Kulisse hergerichtet – das heißt: mit frischem Putz und Farbanstrich (übrigens nach einem Konzept von Horst Jährling) versehen –, freilich ohne die Altbauten bei die-ser Gelegenheit tatsächlich grundlegend instandzusetzen oder gar zu modernisieren.
Das „Jubiläum“ war lange geplant und von der Staats-führung schon Jahre zuvor abgesegnet worden. Dass nicht etwa der Weimarer Oberbürgermeister Franz Kirchner, sondern der DDR-Kulturminister Hans-Joachim Hoffmann als Vorsitzender des Festkomitees fungierte, zeigt den Stellenwert, den man dem ,Ereignisʻ einräumte. Im Festmonat Oktober fanden auch besondere Konzerte, Tanzveranstaltungen (so ein „Ball der Besten“ im Volks-haus) und Diskos, Theaterpremieren, Ausstellungen statt. Nachhaltig war die ,Rekonstruktionʻ des 1948 wiederauf-gebauten Theaters mit grundlegendem Umbau des Zu-schauerraumes nach dem Zeitgeschmack der Siebziger-jahre. Das Ergebnis ist mittlerweile als erhaltenswerter Denkmalbestandteil erklärt worden.
Aufmerksamkeit erregten die Feierlichkeiten nicht nur hierzulande, sondern sogar in der Bundesrepublik, und sie lenkten den Blick über die Ilmstadt auf das ganze Land, das sich so gern international in positivem Licht sah. Man hatte sogar einem West-Journalisten gestattet, eine Reportage über das Alltagsleben in Weimar zu dre-hen und dabei Menschen zu filmen und zu interviewen – ein seltener Fall, war doch jeder Besuch eines für Medien der Bundesrepublik tätigen Berichterstatters ein Poli-tikum, und Kontakte von Bürgern der DDR zu Medien-leuten aus der westlichen Welt wurden normalerweise unterbunden. Der Film „Alltag in Weimar“ des Fernseh-journalisten Dirk Sager wurde im Mai 1975 im ZDF ausge-strahlt. Nach dem Machtantritt Honeckers wollte sich die DDR weltoffen zeigen; die Weimarer Feier fügt sich damit in eine Reihe von Großveranstaltungen ein, an deren Spitze die Weltfestspiele der Jugend 1973 standen. – Von allen Veranstaltungen des Festjahres ist den Dabeigewe-senen der Festumzug am lebendigsten in der Erinnerung geblieben.



