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Weimar setzt klares Zeichen gegen Antisemitismus – Stadt, Polizei und Kulturakteure im Schulterschluss

Pressekonferenz im Festsaal des Rathauses.Pressekonferenz im Festsaal des Rathauses.Pressekonferenz im Festsaal des Rathauses. ©Stadt WeimarPressekonferenz im Festsaal des Rathauses. ©Stadt Weimar

Im Festsaal des Weimarer Rathauses haben am Donnerstag, 18.9.2025, Vertreterinnen und Vertreter von Stadt, Polizei, Gedenkstätten- und Kulturinstitutionen ein gemeinsames Vorgehen gegen die zuletzt gehäuften antisemitischen Straftaten im Stadtgebiet vorgestellt. Anlass sind unter anderem die Zerstörungen und Beschädigungen von mehreren Dutzend Stolpersteinen, von denen drei vollständig zerstört wurden. In der Nacht zum Dienstag gelang der Polizei die Festnahme eines 51-jährigen Mannes aus Weimar, der im Verdacht steht, für mehrere dieser Taten verantwortlich zu sein. Der Festgenommene war in der Vergangenheit nicht polizeilich in Erscheinung getreten und kann bisher keinem politischen Lager zugeordnet werden. Die Ermittlungen laufen noch. Die Polizei hatte seit Januar die lageabhängigen Bestreifungen der Stolpersteine intensiviert, um mögliche Straftäter zu fassen.

Oberbürgermeister Peter Kleine betonte, dass die Stadt Weimar gemeinsam mit Polizei und Zivilgesellschaft auch weiterhin entschlossen handeln wird: „Jede der Taten muss zur Anzeige gebracht werden. Wir agieren im Schulterschluss, um handlungsfähig gegen jede Form von Extremismus, ob rechts, links oder religiös, zu sein.“

Auch die Polizei unterstrich die klare Haltung gegenüber den Vorfällen. Christian Hackbart, Leiter der Polizeiinspektion Weimar, erklärte: „Die rote Linie ist eindeutig: Gewalt gegen Menschen oder Sachen ist absolut inakzeptabel. Wer sie überschreitet, muss mit Konsequenzen rechnen.“ Kriminalpolizeichef Daniel Wagner ergänzte: „Die Ermittlungen werden offen, aber konsequent geführt. Entscheidend ist nicht nur die Täterermittlung, sondern auch die enge Zusammenarbeit der staatlichen Behörden und der Zivilgesellschaft.“

Von Seiten der Kultur- und Gedenkarbeit kommt ebenfalls ein deutliches Signal. Martin Kranz, Intendant des Achava-Festivals, sprach von einer „brutalen Schändung“ und forderte harte Sanktionen: „Achava steht für eine offene Gesellschaft, für Dialog und Miteinander. Gerade deshalb müssen wir diesen Angriffen entschieden entgegentreten.“ Dr. Philipp Neumann-Thein, stellvertretender Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, verwies auf morgen Nachmittag beginnende Mahnwachen an Stolpersteinen im Stadtgebiet: „Jeder und jede kann etwas tun, wenn Antisemitismus und Rechtsextremismus auftreten. Das Markieren und Sanktionieren solcher Taten ist unser gemeinsamer Auftrag.“

Dr. Alan Bern, Gründer und Künstlerischer Leiter des Yiddish Summer Weimar, erinnerte daran, dass diese Angriffe nicht allein jüdische Menschen träfen: „Solche Taten richten sich nicht nur gegen ‚die Juden‘, sondern letztlich gegen uns alle. Sie schaden unserer Lebensqualität, unserer Menschenwürde und unserem Zusammenleben. Deshalb müssen wir solidarisch bleiben.“

Neben verstärkten Polizeistreifen und intensiveren Ermittlungen wurde ein noch engerer Informationsaustausch zwischen Stadt, Polizei, Gedenkstätten und kulturellen Initiativen vereinbart. Ziel ist es, sowohl kurzfristig Schutz zu gewährleisten als auch langfristig das Bewusstsein in der Bevölkerung zu stärken.

Oberbürgermeister Kleine ruft die Bürgerinnen und Bürger eindringlich dazu auf, wachsam zu sein, Beobachtungen der Polizei zu melden und Haltung gegen Antisemitismus und jede Form von Extremismus zu zeigen. „Wegsehen sei keine Option“, betonte der Oberbürgermeister.

Weimar bekennt sich klar zu Weltoffenheit, Erinnerungskultur und einem aktiven Eintreten gegen Antisemitismus. Dies wird auch in der Unterstützung für Initiativen und Projekte wie z.B. dem Lernort Weimar e.V. sichtbar.