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Weimar ernennt vier Buchenwald-Überlebende zu Ehrenbürgern

Ehrenbürgerurkunde Isaak GoldblumEhrenbürgerurkunde Isaak GoldblumEhrenbürgerurkunde Isaak Goldblum ©Stadt WeimarEhrenbürgerurkunde Isaak Goldblum ©Stadt Weimar

In einer feierlichen Zeremonie im Festsaal des Weimarer Rathauses wurden heute vier Überlebende des Konzentrationslagers Buchenwald zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt. Oberbürgermeister Peter Kleine und Katrin Götz, Vorsitzende des Weimarer Stadtrates, unterzeichneten gemeinsam die Ehrenbürgerurkunden. Einer der Geehrten, Isaak Goldblum, verfolgte die Veranstaltung per Videocall aus der Schweiz, wo er heute lebt.

Die neuen Ehrenbürger sind:

  • Sidney Finkel (geb. 1931 in Piotrków Trybunalski, Polen)
  • Joseph Szwarzberg (geb. 1930 in Kozienice, Polen)
  • Isaak Goldblum (geb. 1939 in Piotrków, Polen)
  • Georgij Iwanowitsch Sidorenkow (geb. 1939)

Die Ernennung geht auf einen Beschluss des Stadtrates vom 18. März zurück. Dass nach 2023, als zuletzt eine größere Gruppe Überlebender geehrt wurden, nun vier weitere Personen gefunden werden konnten, ist das Ergebnis der weltweiten Recherchearbeit des Internationalen Komitees Buchenwald Dora und Kommandos (IKBD).

Oberbürgermeister Peter Kleine betonte:
„Ich danke dem IKBD für sein Engagement, das die Auszeichnung erst möglich gemacht hat. Es erfüllt mich mit Dankbarkeit und Freude, dass wir heute vier weitere Überlebende des KZ Buchenwald als Ehrenbürger unserer Stadt begrüßen dürfen. Ihre Geschichten zu hören und an ihren Erinnerungen teilhaben zu dürfen, ist jedes Mal aufs Neue bewegend und zeigt, wie wichtig es ist, das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten. Ihre Lebenswege stehen für Widerstandsfähigkeit, Hoffnung und die unerschütterliche Kraft des Menschlichen. Werte, die uns alle verbinden und die wir in unserer Stadt lebendig halten wollen.“

Insgesamt hat Weimar seit 2020 35 ehemalige KZ-Häftlinge als Ehrenbürgerinnen und Ehrenbürger ausgezeichnet.

Kurzbiografien der neuen Ehrenbürger:

Sidney Finkel wurde 1931 als Sevek Finkelstein in Piotrków Trybunalski, Polen geboren. Während der deutschen Besatzung lebte er mit seiner Familie im Ghetto seiner Heimatstadt und wurde anschließend über mehrere Zwangsarbeitslager verschleppt. Am 24. Dezember 1944 erreichte er das KZ Buchenwald und wurde dort mit der Häftlingsnummer 25381 registriert. Kurz vor der Befreiung trieb die SS Sidney Finkel auf einen Evakuierungstransport, der ihn über einen Todesmarsch und eine wochenlange Zugfahrt in das Lager Theresienstadt führte. Dort wurde er im Mai 1945 schwer krank befreit.

Joseph Szwarcberg wurde 1930 in Kozienice, Polen geboren. Während der deutschen Besatzung lebte er mit seiner Familie im Ghetto. Später wurde er in mehrere Arbeitslager verschleppt, wo er Zwangsarbeit leisten musste. Im August 1944 wurde er in das KZ Buchenwald deportiert. Er wurde mit der Häftlingsnummer 67636 registriert und im Kinderblock 66 untergebracht. Er überlebte durch die Unterstützung von Mithäftlingen und wurde vor der Deportation auf Todesmärsche bewahrt. Am 11. April 1945 erlebte er in Buchenwald seine Befreiung.

Isaak Goldblum wurde 1939 in Piotrków, Polen geboren. Als Kind jüdischer Herkunft wurde er Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Am 18. Januar 1945 wurde er gemeinsam mit seinem Vater in das KZ Buchenwald deportiert und dort mit der Haftnummer 115039 registriert. Nur durch eine falsche Altersangabe, die ihn älter erscheinen ließ, entging er der unmittelbaren Vernichtung. Als eines der jüngsten Kinder im Lager überlebte er unter extremen Bedingungen bis zur Befreiung am 11. April 1945.

Georgij Iwanowitsch Sidorenkow wurde am 1. Mai 1939 geboren. Sein Lebensweg während der nationalsozialistischen Verfolgung ist nur in wenigen Spuren dokumentiert. Sein Name steht für das Schicksal der vielen Kinder, die im Konzentrationslager Buchenwald entrechtet, verfolgt und ihrer Kindheit beraubt wurden. Ihr Leid hat sich unauslöschlich eingeprägt und wirkt bis in die Gegenwart. Ihr Erbe ist eine stille, aber unüberhörbare Aufforderung, niemals wegzusehen, wenn Menschenrechte auf grausamste Weise verletzt werden.