Verloren geglaubte Gedenktafel kehrt überraschend in die Hände der Stadt zurück


Eine lange vermisste Erinnerungstafel aus dem Weimarer Volkshaus ist auf ungewöhnlichem Wege wieder in den Besitz der Stadt gelangt.
Vergangene Woche wurde die Tafel überraschend im Büro der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Weimar entdeckt - Aufgestellt während der urlaubsbedingten Abwesenheit der Behördenleitung. Ein unbekannter, vermummter Mann hatte die Tafel kommentarlos an die Sekretärin im Stadtentwicklungsamt übergeben. Diese reagierte trotz der ungewöhnlichen Umstände besonnen und sorgte für die Weiterleitung an die zuständige Fachstelle.
Die Tafel befindet sich trotz ihres Alters in gutem Zustand. Lediglich kleinere Veränderungen, darunter der mit Filzstift aufgetragene Name „Pascal“ sowie fehlende Doppelpunkte, wurden festgestellt.
Besonders aufschlussreich ist ein handgeschriebener Zettel, der dem Fund beigefügt war. In der anonymen Nachricht erklärt der Verfasser, er habe die Tafel aus Sorge vor weiterer Beschädigung, Diebstahl oder Brand aus dem Volkshaus entfernt und wolle sie nun der Stadt zurückgeben. Gleichzeitig drückt er seine Hoffnung auf eine erfolgreiche Sanierung des Gebäudes aus.
Bereits Anfang 2024 war eine weitere entwendete Gedenktafel aus dem Volkshaus, gewidmet den Opfern des Faschismus, bei der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora abgegeben worden. Sie befindet sich derzeit im Bestand des Stadtmuseums.
Beide Tafeln sollen nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wieder an ihrem ursprünglichen Platz im Volkshaus öffentlich zugänglich gemacht werden.
Oberbürgermeister Peter Kleine würdigt die Rückgabe als ermutigendes Zeichen:
„Seit dem Rückerwerb des Volkshauses suchen wir aktiv nach Spuren der Vergangenheit. Dass sich manche Dinge auf so unerwartetem Wege aufklären, ist berührend, auch wenn der Diebstahl eines kulturhistorischen Objekts kein Kavaliersdelikt ist, selbst wenn er aus Sorge oder guter Absicht erfolgt. Dennoch zeigt dieser Fall, wie stark das kulturelle Gedächtnis in Weimar verankert ist und wie viel Vertrauen in unsere Arbeit gesetzt wird. Das motiviert uns für den weiteren Weg.“
Die hölzerne Tafel erinnert an drei zentrale Persönlichkeiten der deutschen Arbeiterbewegung, die im frühen 20. Jahrhundert im Volkshaus sprachen:
- Clara Zetkin (2. Februar 1911)
- Karl Liebknecht (14. September 1911)
- Rosa Luxemburg (12. Januar 1912)
Die Rückseite der Tafel enthält einen Hinweis auf ihre Herkunft:
„Diese Tafel wurde am 18. August 1959 – der 15. Wiederkehr des Todestages von Ernst Thälmann – von der Klubleitung des Kulturhauses VEB Mähdrescherwerk Weimar angebracht. Die Tafel wurde gearbeitet von Willy Vorwieger – Weimar 1959.“
Die Tafel wurde bereits vor einigen Jahren entwendet, noch vor Erwerb des Volkshauses durch die Stadt. Seitdem fehlte jede Spur von der historisch bedeutsamen Gedenktafel.