Stadt Weimar trauert um Ehrenbürger und Buchenwald-Überlebenden Jacques Moalic


Der französische Journalist und Buchenwald-Überlebende Jacques Moalic ist am 24. April 2025 im Alter von 102 Jahren in seiner französischen Heimat verstorben. Er erhielt in Würdigung seiner Verdienste um das Vermächtnis von Buchenwald im Januar 2023 in Paris die Ehrenbürgerschaft Weimars. „Jacques Moalic war eine Persönlichkeit, die uns durch ihre Herzlichkeit und Zugewandtheit beeindruckt hat. Die Verleihung der Ehrenbürgerschaft hat ihn sehr gefreut und ich bin dankbar, dass wir sie ihm im Jahr 2023 so feierlich in Paris verleihen konnten. Er wird uns fehlen. Weimar trauert um Jacques Moalic“, unterstrich Oberbürgermeister Peter Kleine.
Jacques Moalic und Buchenwald
Geboren am 3. März 1923 in Brest. Jacques Moalic entwarf und verteilte einige Flugblätter während der deutschen Besatzung Frankreichs, wollte aber nach England gehen. Zu diesem Zweck fuhr er zunächst in die Alpen, wo er sich an der Widerstandsbewegung beteiligte, aber merkte, dass es ohne Waffen wenig Hoffnung gab. Im Oktober 1943 nahm er einen Zug nach Perpignan und versuchte, die spanische Grenze zu überqueren, wurde aber von einer deutschen Patrouille aufgehalten. Er wurde in Perpignan inhaftiert und nach Compiègne verlegt, wo er am 14. Dezember 1943 ankam. Sie waren 85 Inhaftierte in dem Waggon, sie versuchten zu fliehen. Nach einigen Minuten wurde Jacques wieder gefasst und in einen Waggon gesetzt. Am 16. Dezember 1943 kam er in Buchenwald an, wo er die Häftlingsnummer 38348 erhielt. Er verbrachte die Quarantäne in Block 62 und wurde Mitte Januar 1944 in Block 34 verlegt. Er arbeitete an der Instandhaltung der Eisenbahnstrecke von Weimar nach Buchenwald. Mitte Juni wurde er in die Firma Mibau versetzt und arbeitete an Motoren, die für die V2-Rakete bestimmt waren. Nach der Bombardierung am 24. August 1944 wurde er von Kommando zu Kommando weitergereicht. Am 7. Januar 1945 wurde Jacques Moalic auf dem Appellplatz für das Kommando Ohrdruf zusammengetrieben. Er war einer von etwa 2.000 Personen, die in Viehwaggons transportiert wurden, um dort im Tunnelbau zu arbeiten. Dort erfuhr er durch die SS zahlreiche Misshandlungen und sah den Tod seiner Kameraden, die an Erschöpfung, Ruhr und Typhus starben. In Ohrdruf war die Isolation so groß, dass niemand mehr wusste, was er tun sollte. Am 2. April 1945 wurde das Lager angesichts der herannahenden alliierten Truppen zu Fuß nach Buchenwald evakuiert, welches er am 5. April erreichte. Als er erschöpft auf dem Appellplatz saß, wurde er von einem Häftling aus Block 34, Andre Geireigat, erkannt, der ihn zurück zum Block brachte. Er verließ das Lager am 24. April und erreichte Paris am 29. April.
Während seiner Internierung knüpfte er Kontakte zu zahlreichen Häftlingen, darunter ein Bekannter von Maurice Negre, dem späteren Chef der Agence France Presse (AFP). 1946 schrieb er sich an der rechtswissenschaftlichen Fakultät ein. 1950 trat er in die AFP ein. Als Redaktionssekretär eingestellt, lernte Jacques Moalic „zu lernen“ und erhielt seinen ersten Presseausweis mit der Nummer 12.707. Nach sechs Jahren, in denen er die aus aller Welt gesendeten Nachrichten aufbereitete, trat er 1956 in das politische Ressort ein. Von Algerien über den Kongo bis hin zu den Korridoren des Elysée-Palastes: Jacques Moalic bereiste in seiner 40-jährigen Karriere bei AFP die Welt. Er ging 1983 in den Ruhestand und war Mitglied in zahlreichen Erinnerungsgremien. Er lebte in Paris.
Der Stadtrat der Stadt Weimar hatte Jacques Moalic am 21. September 2022 die Ehrenbürgerwürde zuerkannt. Am 30. Januar 2023 überreicht Oberbürgermeister Peter Kleine die Urkunde feierlich im Hôtel des Invalides in Paris.