Menschenrechtspreis der Stadt Weimar 2026 geht an Olivia Bisa Tirko aus Peru


Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am 17. Juni 2026 dem Vorschlag des Vergabebeirats zugestimmt, Frau Olivia Bisa Tirko aus Peru mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar 2026 zu ehren.
In der Begründung des Stadtrates heißt es:
„Olivia Bisa Tirko ist eine indigene Umwelt- und Menschenrechtsverteidigerin aus Peru und seit 2022 Präsidentin der autonomen Territorialregierung der Chapra im peruanischen Amazonasgebiet. Als erste Frau in einer solchen Position wurde sie weit über ihre Region hinaus zu einer der wichtigsten Stimmen im Kampf gegen Umweltzerstörung, Rohstoffausbeutung und die damit verbundene zunehmende Bedrohung indigener Gemeinschaften. Die Gemeinschaft der Chapra schützt ein ca. 200.000 Hektar großes Gebiet des Amazonas, welches bis heute überwiegend intakt geblieben ist. Es ist für die Chapra unverzichtbare Lebensgrundlage. Dieses Gebiet weiterhin zu schützen und zu bewahren, dafür kämpft Olivia Bisa Tirko unermüdlich. Wie existenziell dieser Einsatz ist, zeigte sich nach dem Ölunfall von PetroPerú im September 2022, mit katastrophalen Folgen für den Regenwald. Sie dokumentierte die Vergiftung und Kontaminierung der Fischbestände, der Lagunen und Flüsse und machte die Dokumente publik. Durch ihren beharrlichen Einsatz für die Beseitigung der Schäden bei den Behörden und PetroPerú konnten diese behoben werden, so dass der größte Teil des Chapra-Territoriums wieder intakt ist. Konsequent setzt sie sich dafür ein, dass dieses Gebiet nicht den wirtschaftlichen Interessen an der Rohstoffausbeutung zum Opfer fällt. Dieses Engagement hat weit über Peru hinaus Wirkung entfaltet. Ihr Einsatz für die Rechte der Chapra steht exemplarisch für indigene Völker, die auf Grund wirtschaftlicher Interessen gegen Verdrängung und Zerstörung ihrer Lebensräume kämpfen. Der Einsatz von Olivia Bisa Tirko zeigt auch, dass indigene Gemeinschaften den Bedrohungen nicht machtlos gegenüberstehen. Als Präsidentin des Volkes der Chapra verteidigt sie nicht nur Umwelt und Territorium, sondern fundamentale Menschenrechte. Dabei ist sie massiven Bedrohungen ausgesetzt: Einschüchterungsversuche, wie Drohanrufe, Morddrohungen, bewaffnete Übergriffe, belasten das Leben der 37Jährigen und ihrer Familie enorm.“
Der Menschenrechtspreis der Stadt Weimar ist für Frau Bisa Tirko nicht nur Anerkennung ihres friedlichen Kampfes, er trägt auch finanziell dazu bei, sie in ihrer wichtigen Arbeit zu unterstützen und zu bestärken.
Der Vorschlag wurde von der Gesellschaft für bedrohte Völker e. V. eingereicht. Insgesamt gingen zehn Nominierungen für den diesjährigen Menschenrechtspreis ein. Die Vorgeschlagenen kommen aus Aserbaidschan, Belarus (2), Guatemala, Israel, Mexiko, Peru, Uganda, Ukraine und West-Papua.
Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Außerdem erhält die Preisträgerin als künstlerische Beigabe einen Pokal des Weimarer Künstlers und Weimar-Preisträgers Walter Sachs. Die Festveranstaltung zur 32. Verleihung des Menschenrechtspreises der Stadt Weimar steht unter der Schirmherrschaft von Gundula Gause und wird am 10. Dezember 2026 stattfinden.
- Olivia Bisa Tirko ( 37 Jahre) ist eine indigene Führungsfigur der Chapra-Gemeinschaft im peruanischen Amazonasgebiet.
- Bereits als Elfjährige verließ sie ihr Heimatdorf, um einer frühen Zwangsheirat zu entgehen und eine weiterführende Schulbildung zu erlangen.
- Später studierte sie Soziologie in Ecuador.
- Seit ihrer Wahl zur ersten Präsidentin der autonomen Territorialregierung der Chapra-Gemeinschaft im August 2022 setzt sie sich für den Schutz eines rund 200.000 Hektar großen indigenen Territoriums ein, das zu den am besten erhaltenen Regenwaldgebieten Perus zählt.
- Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie insbesondere nach einer schweren Ölkatastrophe auf dem Gebiet der Chapra, als sie die Rechte ihrer Gemeinschaft gegenüber dem staatlichen Ölunternehmen PetroPerú verteidigte.
- Seitdem ist sie massiven Bedrohungen ausgesetzt: Morddrohungen, Einschüchterungen und juristische Schikanen prägen ihren Alltag ebenso wie den ihrer Familie.

