Ehrenbürger und Buchenwald-Überlebender Raymond Touraud verstorben


Weimar trauert um seinen Ehrenbürger und französischen Buchenwald-Überlebenden Raymond Touraud. Wie das Internationale Komitee Buchenwald-Dora in Paris mitteilte, verstarb Raymond Touraud am vergangenen Mittwoch, dem 10. Dezember, im Alter von 99 Jahren. Er wird in Épône bei Paris beigesetzt.
Raymond Touraud wurde am 8. November 1926 in Bagnolet (Seine-Saint-Denis) geboren und lebte mit seinen Eltern in Guitrancourt in den Yvelines. Am 18. Juli 1943 entdeckten er, sein Vater André und ein Freund, Alphonse Hallot, auf einem Feld eine an einem Fallschirm befestigte Waffenkiste. Sie vergruben diese, um sie zu verstecken. Noch am selben Tag wurden sie von der Gestapo festgenommen. Es folgten die Internierung im Gefängnis Fresnes und die Verlegung nach Compiègne. Von dort aus wurden sie am 16. September 1943 in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert, das sie zwei Tage später erreichten.
Raymond Touraud, sein Vater André und ihr Freund Alphonse Hallot durchliefen zunächst eine Quarantänezeit im Block 63 des sogenannten Kleinen Lagers. Alphonse Hallot wurde später in das Lager Dora verlegt und kam im Konzentrationslager Lublin-Majdanek ums Leben. Raymond Touraud und sein Vater wurden in den Block 45 des Großen Lagers verlegt. Am Vorabend der Befreiung des Lagers befanden sie sich im Block 37 und entgingen nur knapp einem Todesmarsch.
Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich übernahmen André und Raymond Touraud das landwirtschaftliche Dreschunternehmen des verstorbenen Alphonse Hallot. Raymond Touraud absolvierte anschließend eine Berufsausbildung zum Klempner und Spengler, arbeitete als Heizungsinstallateur und lebte in Mézières-sur-Seine.
Im Januar 2023 wurde Raymond Touraud in Anerkennung seines Lebenszeugnisses, seines Engagements für das Erinnern und seiner Verbundenheit mit der Stadt Weimar gemeinsam mit weiteren Buchenwald-Überlebenden zum Ehrenbürger ernannt.
Oberbürgermeister Peter Kleine würdigte den Verstorbenen:
„Mit Raymond Touraud verlieren wir einen Menschen, der großes Leid erfahren und dennoch sein Leben der Mahnung und der Menschlichkeit gewidmet hat. Seine Stimme, seine Offenheit und seine Würde werden uns fehlen. Weimar wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“