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1989. Orte der friedlichen Revolution in Weimar

Als im Herbst 1989 das verzweifelte Warten auf innenpolitische Reformen mit immer größeren, ungenehmigten Straßendemonstrationen unübersehbar Ausdruck annahm, glaubte niemand ernsthaft, dass schon wenige Wochen später die deutsch-deutsche Grenze geöffnet wird. Doch der Fall der Mauer – rückblickend ein Symbol des politischen Umbruchs in der DDR – lag zunächst gar nicht in der Absicht der demonstrierenden Menschen. Vielmehr ging es ihnen darum, die Erstarrung zu lösen, in der sich ihr von alten Männern regiertes Land befand, um Meinungsfreiheit und freie Wahlen. „Neue Männer braucht das Land“ hatten Jahre zuvor junge Weimarer an eine Hausfassade gesprüht und mussten deshalb in einem Staatssicherheitsgefängnis Monate in Haft verbringen. Die friedliche Revolution 1989 hat eine lange Vorgeschichte.

An wichtige Marksteine, an Schauplätze und ausgewählte Facetten des Weimarer „Oktoberfrühlings“ erinnerte eine 2019/2020 im Weimarer Stadtraum gezeigte temporäre Ausstellung – schlaglichtartig, natürlich keinesfalls vollständig. Die in der Ausstellung gezeigten Fotos und Erläuterungen werden hier weiterhin zugänglich sein.

Zivilcourage und Mut können die Welt ändern! Das können wir von jenen Menschen lernen, die damals die Angst vor Repressionen überwanden.

Das Projekt entstand in Zusammenarbeit von:

  • Kulturdirektion Weimar
  • Stadtarchiv Weimar
  • Volkshochschule Weimar
  • Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar
  • Bauhaus-Universität Weimar
  • Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Weimar
  • Freunde und Förderer des Stadtmuseums Weimar im Bertuchhaus e.V.

Interaktive Karte

Ausgewählte Schauplätze der Herbstrevolution 1989 in Weimar sind in der interaktiven Karte markiert. Ein Klick auf die jeweiligen Punkte führt zu näheren Informationen über die mit ihnen verbundenen Ereignisse.

Zur Karte


Orte der friedlichen Revolution

Jakobskirche | Rollplatz

Mut zum aufrechten Gang – Martin Giersch und Erich Kranz

In ganz unterschiedlichen Zeiten wirkten Martin Giersch und Erich Kranz als Pfarrer in Weimar. Beide wandten sich besonders jungen Menschen zu, die noch auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft waren. Gerade für diese bot das Gemeindehaus der Jakobskirche zeitweise gewisse Freiräume.

Hochschule für Musik | Platz der Demokratie

Die Hochschule für Musik FRANZ LISZT

Die Hochschulen der DDR waren im Allgemeinen keine Brennpunkte des oppositionellen Geschehens, widerständige Regungen sind meist schon im Keim erstickt worden. Auch an der Weimarer Musikhochschule suchten Mitarbeitende und Studierende oft eher nach musikalisch-unpolitischen Gesellschaftsnischen.

Bauhaus-Universität | Coudraystraße

Zwischen „Sputnik-Affäre“ und Kommunalwahl 1989

Nach dem im Herbst 1988 verhängten Verbot der Zeitschrift „Sputnik“, in der deutschsprachige Auszüge aus der mittlerweile weniger streng zensierten sowjetischen Presse veröffentlicht wurden, kam es an der Hochschule für Architektur und Bauwesen zu sichtbaren Unmutsäußerungen von studentischer Seite.

Landesmuseum / Museum Neues Weimar | Karl-Marx-Platz / Jorge-Semprún-Platz

Vom Zustand der Altbauten

Der schleichende Verfall des denkmalgeschützten „Landesmuseums“ war in der Klassikerstadt das weithin sichtbarste Zeichen für das Unvermögen des planwirtschaftlichen Systems, Kulturgut in angemessener Weise zu erhalten. Private Initiativen bemühten sich vergeblich, dem etwas entgegenzusetzen.

Rathaus | Markt

Der Herbst 1989 begann bereits im Mai

Bei der Kommunalwahl am 7. Mai 1989 verabredeten sich erstmals Bürgerinnen und Bürger, die Auszählung der Stimmen systematisch zu beobachten. Ausgerechnet im Rathaus wurde ihnen dies – entgegen dem Wahlgesetz der DDR – verwehrt: Auch auf kommunaler Ebene entpuppten sich SED-Funktionäre als Betrüger.

Stadtkirche St. Peter & Paul | Herderplatz

Die erste politische Kundgebung des Herbstes 1989

Der 4. Oktober 1989 kann rückblickend als Auftakt des friedlichen Umbruchs in Weimar bewertet werden. Bereits vor den staatlichen „Jubelfeiern“ zum 40. DDR-Jahrestag organisierten evangelische Christen die erste Manifestation des Widerstandes gegen die unerträglich gewordene Bevormundung der Bürger.

Platz der Demokratie

Macht Platz der Demokratie!

Obwohl es in Weimar längst Kundgebungen in geschlossenen Räumen gab, fand die erste „richtige“ Straßendemonstration des „Herbstes der brennenden Kerzen“ erst Ende Oktober statt, im Vergleich zu anderen Städten also relativ spät. Und: Nicht montags wurde hier demonstriert, sondern erst am Dienstag.

Deutsches Nationaltheater | Theaterplatz

„Wir bleiben hier!“

Goethe und Schiller als „Akteure“ oder zumindest Mutmacher des friedlichen Umbruchs: Nur wer nicht wegläuft, kann etwas verändern. Zugleich war der an dem berühmten Doppelstandbild zu lesende Spruch „Wir bleiben hier!“ ein Appell, dem Ausverkauf von durchaus vorhandenen Werten entgegenzuwirken.

Ehem. MfS-Kreisdienststelle / Villa Dürckheim | Cranachstraße 47

„Ich fordere meine Akte“

Jahrzehntelang hatte das Ministeriums für Staatssicherheit privates Material über nonkonforme BürgerInnen zusammengetragen und versucht, diejenigen mit perfiden psychologischen Methoden zu „zersetzen“, die sich nicht unterordneten. Am 5. Dezember 1989 konnte die Aktenvernichtung gestoppt werden.

Bauhaus-Universität | Geschwister-Scholl-Straße

Der „Runde Tisch“ an der Hochschule

Der an der Hochschule für Architektur und Bauwesen gebildete „Runde Tisch“ – ein Artikulationsraum für den Dialog mit den Funktionären – steht beispielhaft für dieses Instrument zur Aufweichung der bestehenden Strukturen während der bis ins Jahr 1990 hineinreichenden nahezu gewaltfreien Revolution.