Menschenrechtspreis

Ilham Tohti

Menschenrechtspreisträger 2017

BIOGRAFISCHES

  • am 25. Oktober 1969 in Artux geboren
  • studierte in Peking an der Zentralen Nationalitäten-Universität (Minzu University of China) und lehrte dort auch später am Institut für Wirtschaftswissenschaften
  • seit 1994 behördlich überwacht
  • 2006 Gründung der Website UyghurOnline.com um ein besseres Verhältnis und Verständnis zwischen Han-Chinesen und Uiguren herzustellen
  • 2008 Schließung der Website durch chinesische Behörden
  • 2009 Kritik an Siedlungspolitik in Bezug auf die Han-Chinesen in Radiointerview
  • Verlangt die konkrete Umsetzung des Gesetzes für regionale Autonomie
  • März 2009 Verhaftung Tohtis unter dem Vorwurf, separatistische Bestrebungen zu unterstützen
  • Anfang Juli 2009 erneute Verhaftung unter dem Vorwand, UyghurOnline.com hätte Unruhen über 150 Todesopfern unter Han-Chinesen und Uiguren provoziert
  • August 2009 Entlassung aus der Haft nach Unterzeichnung einer Petition mit Bitte um Freilassung von 397 Menschen aus 30 Ländern
  • ab 2013 Einschüchterungsversuche durch Einschränkung der Lehrtätigkeit und Versuchen „belastendes Material“ von Mitarbeitern zu erpressen
  • 5. Januar 2014 Verhaftung gemeinsam mit seiner Mutter, Beschlagnahmung Telefon und Computer
  • 23. September 2014 Verkündung des Gerichtsurteils, Ende des zweittägigen Prozesses unter unfairen Bedingungen (Drängung seiner Studierenden zu belastenden Zeugenaussagen)
  • 21. November 2014 Berufungsverfahren und Bestätigung der lebenslangen Haftstrafe

VORSCHLAGSBEGRÜNDUNG


Als renommierter Professor für Wirtschafts- und Sozialfragen an der Zentralen Nationalitäten-Universität Peking hat Illham Tohti über Jahrzehnte unermüdlich versucht, eine breite Öffentlichkeit auf die gravierenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Missstände der Uiguren in Xinjiang hinzuweisen und ist dabei stets für eine friedliche Koexistenz zwischen den Volksgruppen der Uiguren und Han-Chinesen sowie der weiteren Minderheiten eingetreten.

Im September 2014 wurde der Brückenbauer und unbequeme Mahner, der sich stets dafür aussprach, dass die Autonome Provinz Xinjiang, fester Bestandteil der Volksrepublik China bleibt, vom Mittleren Volksgericht in Urumchi wegen Separatismus zu lebenslanger Haft verurteilt.

Das weltweit kritisierte drakonische Strafmaß gegen Ilham Tohti, lässt daran zweifeln, dass Chinas Regierung an einer friedlichen und substantiellen Lösung der Probleme in der Region interessiert ist, in der die Uiguren die Bevölkerungsmehrheit stellen. Der Stadtrat erhofft sich von der Auszeichnung, dass Tohtis Botschaft von Frieden und Dialog nicht vergessen wird und die Bemühungen für seine Freilassung verstärkt werden.

HEUTE

Seit dem 12. Dezember 2014 befindet er sich im Gefängnis Nr. 1 der Region Xinjiang. Er wird nicht in Peking festgehalten, wo seine Familie die Möglichkeit zu regelmäßigen Besuchen hätte, sondern etwa 3200 Kilometer entfernt von jener.