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Weimar ist ein Ort für zeitgenössische Kunst

"Weimar ist kein Ort für zeitgenössische Kunst", sagt Yochai Avrahami, zeitgenössischer Künstler aus Israel und Artist in Residence im Weimarer Atelierhaus. Aber auch zeitgenössische Künstler müssen ja nicht immer Recht haben

"Weimar ist kein Ort für zeitgenössische Kunst", sagt Yochai Avrahami, zeitgenössischer Künstler aus Israel und Artist in Residence im Weimarer Atelierhaus. Aber auch zeitgenössische Künstler müssen ja nicht immer Recht haben – vor allem, wenn sie gleichzeitig in einem Vortrag über ihre dreimonatige Arbeit in Weimar ein fulminantes filmisches, installativ-performatives, zeichnerisches Werk über Weimar zeigen.So geschehen am gestrigen sonnigen „Tag des offenen Ateliers 2007“, dem elften seiner Art, veranstaltet von der Kulturdirektion der Stadt Weimar und dem Verband Bildender Künstler Thüringen im Atelierhaus und an weiteren 32 offenen Kunstorten dieser Stadt. „Von „Zufriedenheit allenthalben“ konnte Ulla Seeger, die Referentin für Bildende Kunst in der Kulturdirektion berichten: Die Kunstinteressierten kamen, flanierten von einem Atelier zum anderen, kauften auch hier und da – zum Beispiel den Grafikkalender der Künstler Max, Sachs, Neubert & Co mit 12 Grafiken für 300 Euro -  und sie konnten sehen: die Zeit bringt nicht nur eine einzige zeitgenössische Kunst gleichzeitig hervor.Im „Rosenhof“ an der Rosenthalstraße beispielsweise zeigte die erweiterte Familie Walter Sachs ihr ganzes höchst unterschiedliches Können: Der Vater Walter präsentierte seine größeren Objekte, der Sohn Ilja Streit seine Steinrestaurierungen – in Arbeit derzeit zum Beispiel eine Skulptur aus der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek – und die Schwiegertochter Nane Adam hatte sogar die Eröffnung ihres Ateliers für Schmuckdesign auf diesen „Tag des offenen Ateliers 2007“ gelegt. Hier, in der Rosenthalstraße 27b, gab es denn auch schon um 10.30 Uhr ein ständiges Kommen und Gehen; im Atelierhaus an der Hausknechtstraße 21 hingegen gab es auch mal ruhigere Phasen.Denn ein paar Ateliers waren hier in diesem Jahr zu: Ernestine Dittrich war krank; Wolf Becker weilt mit seinen Werken in der Partnerstadt Blois und Walter Sachs war – wie soeben gesehen – in seinem Zweitatelier in der Rosenthalstraße. Grundsätzlich zufrieden aber zeigten sich die Atelierhaus-Künstler eigentlich trotzdem: Ralf Homann, der Ex-Bauhaus-Professor und Neuling im Haus, berichtete von Kunst-am-Bau-Erfolgen in München (ließ im Garten den Rost brennen und spendierte dem ACC-Weimarpreisträger Frank Motz eine Wurst); bei Friederike Bussejahn und Martin Max kamen, schauten, diskutierten und gingen die Besucher und Yochai Avrahami zeigte seinen Animationsfilm zum erweiterten Thema „Mißtraut den grünen Flächen“ – ein Film der Touristen durch eine erkenntliche Parklandschaft mit Ruinen wandern lässt, die sich zunehmend verselbständigt.Der Weimarer „Tag der offenen Ateliers“ ist ein Tag für das Stammpublikum mit wechselndem Anhang – ein Tag für die Kenner und Liebhaber, die sich an diesem Kunstwandertag nicht mit einem einen einzigen Ort begnügen. An der Oberen Schlossgasse sah man das gut: Hier wanderten die Grüppchen und Individualrezipienten gern vom einen Ort zum anderen und ließen sich von Dieter Weidenbachs Arbeiten in der Nr. 2 genauso inspirieren wie in der  5 von Ulrich Knebel-B. oder von Katharina Links Keramiken in der Hausnummer 8.   „Grundtenor“, so Ulla Seeger: „Stimmung gut, Leute interessiert, Kontakte nachhaltig. Und gekauft wird auch. Inzwischen ist der Tag der offenen Ateliers nicht nur vom Publikum sondern auch von anfangs skeptischen Künstlern gut angenommen.“ Diese besuchen sich inzwischen an diesem Tag gern auch mal gegenseitig und kaufen – wie beispielsweise Rainer Pagel aus der Cranachstraße 29 – zwischendurch schnell ihre nächsten Rahmen nach Maß bei den jungen Kollegen in den Ateliers „Wohn- und Gewerbepark am Brühl 12“. Also sollte es beim Schön-Wetter-Termin September bleiben, so das Plädoyer der Kulturreferentin im Rückblick auf die einstigen grauen offenen November-Atelier-Tage. Nicht zuletzt, weil dies auch den jüngsten Künstlern mit ihrer gut angenommenen „Schule der Phantasie“ im Offenen Kinderatelier in der Carl-Gärtig-Straße zu Gute kam.Und auch Yochai Avrahami, Weimars 37jähriger Artist-in-Residence - über das Internationale städtische und ACC-Atelierprogramm - ist nebst Frau und Kind  eigentlich sehr glücklich hier, findet die Geschichte israelischer Maschinengewehre in Weimarer Bauhaus-Biografien wieder, liebt und fotografiert die Baustellen in der Stadt („"t all looks like installations") und erzählt: "Eigentlich wollten wir hier nur eine sorgenfreie Auszeit genießen. Statt dessen haben wir dauernd was zu tun und haben außerdem überall intensive Zufallsbekanntschaften geknüpft."