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Weihnachtsaustellung im Stadtmuseum

Ankleidepuppe in Aschenputtel-Kostümen, Luxuspapier-Fabrik Berlin, um 1900.

Ab Freitag, 25.11.2022, ist die Sonderausstellung „‘Eine neue sehr artige Erfindung‘ – Ankleidepuppen aus Papier“ im Stadtmuseum Weimar, Bertuchhaus, Karl-Liebknecht-Str. 7, zu sehen.

Am Ende des 18. Jahrhunderts begann die Blütezeit der Modejournale. Damit einhergehend wurde ein besonderes Spielzeug beliebt, das bis heute im Angebot geblieben ist und die wechselnden Moden der vergangenen mehr als 200 Jahre widerspiegelt: Die Papier-Ankleidepuppe.

Im Weimarer „Journal des Luxus und der Moden“ (Herausgeber: Friedrich Justin Bertuch und Georg Melchior Kraus) wird im November 1791 die „neue sehr artige Erfindung der englischen Puppe“ wohlwollend beschrieben: „Die Puppe ist eine auf starkes Carton Papier gezeichnete und ausgeschnittene junge weibliche Figur, etwa 8 Zoll lang, mit bloßen frisirten Haar, im Unterrocke und Corsette. Dazu gehören 6 vollständige geschmackvoll gemahlte und gleichfalls ausgeschnittene Anzüge und Coeffüren, als Sommers- und Winters-Trachten, vollständige Kleider und Negligees…“

Frühe Ankleidepuppen sind sehr selten, bedingt schon durch die Empfindlichkeit des Materials.  Die älteste in der Sammlung des Stadtmuseums stammt aus dem Jahr 1817.

Bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren sie gleichzeitig Spielzeug (nicht nur für Mädchen) und Modevermittler. Aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind beidseitig gestaltete Kleider überliefert worden, die man den Ankleidefiguren überziehen konnte, sodass man die Vorder- und Rückansicht gleichzeitig erhielt.

Ein billiges Spielzeug waren die fertig ausgeschnittenen Anziehpuppen zunächst nicht, allerdings boten die nach 1830 aufgekommenen Darstellungen von Ankleidepuppen zum Ausschneiden auf den beliebten und preiswerten Bilderbogen auch ärmeren Bevölkerungsschichten bzw. deren Kindern viele Möglichkeiten zum Basteln und Spielen.

Besonders aus dem 20. Jahrhundert ist eine Fülle von Anziehpuppen vieler Hersteller und zu verschiedensten Themen überliefert.

Die Ausstellung zeigt Beispiele vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, ergänzt durch Originalkleider, Journale und dreidimensionale Spielsachen. Alle Exponate sind Bestandteil der hauseigenen Sammlung, so manches kam als Schenkung Weimarer Familien ins Museum. Für Kinder liegen ein Märchen-Suchspiel und Ausschneidebogen bereit.

Am ersten Adventssonntag, 27.11.2022, wird von 10.00 bis 17.00 Uhr zur Kinder- und Familienveranstaltung „Herstellen von historischem Papierspielzeug“ herzlich eingeladen. Unter anderem können Papier-Anziehpuppen nach historischen Originalen in der Sonderausstellung angefertigt werden.

Eintritt (gilt für alle Ausstellungen im Bertuchhaus): 3.00 Euro, ermäßigt 1.50 Euro, Kinder frei! Geöffnet: Di-So, 10-17 Uhr