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Siegerentwurf Gedenkort Viehauktionshalle gekürt

Vor zwei Jahren wurde durch den Brand der Viehauktionshalle das historische Gebäude der Deportation von 877 Thüringer Juden im Jahr 1942 zerstört. Dies machte ein Überdenken der Funktion und der Gestaltung des Ortes notwendig. Im Rahmen eines interdisziplinären Realisierungswettbewerbs des Freistaates Thüringen und der Stadt Weimar hatten sich acht Planungsbüros mit ihren Ansätzen zur Gestaltung des Gedenkortes einem Preisgericht gestellt, das am 15. Februar in Weimar tagte. Der endgültige Entwurf des Areals als Gedenkort sollte dazu beigetragen, dass die Opfer von Deportationen und Gräueltaten der nationalsozialistischen Ära nicht in Vergessenheit geraten.

Visualisierung des Gedenkortes Viehauktionshalle (Grafik: Vogt Landschaft, Berlin)

Unter den einreichenden Planungsbüros wurde die Vogt Landschaft GmbH, Berlin, Künstler: Lars Müller, als das Büro mit dem besten Vorschlag zur Gestaltung des Gedenkortes Viehauktionshalle mit dem 1. Preis der Jury ausgezeichnet.

Vom Preisgericht hieß es damals zum Siegerentwurf:

„Der historisch vorgeprägte Bereich wird durch eine parkähnliche Anlage umdefiniert. Aus einem „Unort“ wird ein „Ort zum Verweilen“. Dabei werden die drei wesentlichen, noch erhaltenen historischen Grundelemente gesichert und durch die Gestaltung der Lichtungen herausgearbeitet.
In den Lichtungen werden die historischen Spuren zu - räumlich begrenzten - Erinnerungsorten, die der Besucher entdecken kann.

Die Entwurfsverfasser schlagen einen sich selbsterklärenden Gedenkort mit hoher Aufenthaltsqualität vor, der als innerstädtischer Verweilort, auch über das Gedenken hinaus, funktioniert.
Die Form des Gedenkens ist unaufdringlich und zurückhaltend, der Umgang mit den Namen der Deportierten ist zärtlich und spiegelt die Fragilität des Lebens wider.

Die Gestaltung der Namen ist originell, neu und pflegearm. Der Wasserfilm schützt sie vor Vandalismus. Die Erinnerung wird in den Alltag der Menschen eingebettet, ein gesellschaftlicher Unort (Deportationsort, Lagerhalle der Armee) wird nicht nachgezeichnet, sondern transformiert in einem lebendigen, attraktiven und nachhaltig wirkenden gesellschaftlichen Ort.
Der historische Ort der Ausgrenzung und Verfolgung wird so zu einem lebendigen Ort der Begegnung und Aufklärung.
Die gewählte Baumart der Zitterpappeln fördert die Aufenthaltsqualität. Das Zittern der Blätter schon bei leichter Windbewegung hört sich an wie ein leises Flüstern und führt zu einem interessanten Licht- Schattenspiel.
Der Gestaltungsansatz ermöglicht einen Ort, der von den Menschen angenommen wird; damit wird er auch als Gedenkort eine hohe Akzeptanz finden.“

Vom 6. März bis zum 18. März von dienstags bis sonntags ist für Interessierte eine Ausstellung aller Arbeiten im Foyer des Stadtmuseums zu sehen.