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Schreiben gegen das Vergessen

1942/2022 – 80 Jahre Deportation der Thüringer Jüdinnen und Juden

Schreibaktion in Erfurt

Von 1942 an organisierten die Nationalsozialisten die De­portation der Jüdinnen und Juden auch aus Thüringen. Über 2.500 von ihnen verloren ihr Leben. Vor 1933 hatten in Thüringen noch über 6.000 Menschen jüdischen Glaubens und jüdischer Herkunft gelebt. Die Erinnerung an die Menschen, die Opfer der antisemitischen Verfolgung und Vernichtung wurden, soll in diesem Jahr in Weimar in besonderer Weise partizipativ erfolgen: Am 19. September 2022 werden von 10 bis 16 Uhr auf dem Stéphane-­Hessel­-Platz die Namen aller Opfer mit weißer Schulkreide auf den Boden geschrieben. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, mit zu schreiben. Gedenkstätte Buchenwald, Erinnerungsort Topf & Söhne und Stadt Weimar realisieren die Aktion gemeinsam mit der renommierten Frankfurter Künstlerin Margarete Rabow und weiteren Partnern.

Zum Mitschreiben wird um vorherige Anmeldung ab 31. August 2022 über https://schreiben-gegen-das-vergessen.eu/ gebeten. Von allen Namen werden mit einer analogen 16 mm Kamera Einzel­aufnahmen gemacht; es entsteht ein Film, der alle rund 2.500 Namen dokumentiert. Die gesamte Schreibaktion wird online live gestreamt. Begleitend bieten verschiedene Initiativen und Insti­tutionen zusätzliche Angebote und Informationen, darunter die ACHAVA Festspiele Thüringen, das Bürgerbündnis gegen Rechts­extremismus Weimar, die Initiative Gedenkweg Buchenwaldbahn, die Klassik Stiftung Weimar und der Lernort Weimar e. V.

Nach der Wannseekonferenz Anfang 1942 fanden im Laufe des Jahres zwei erste große Deportationen aus Thüringen statt: Am 9. Mai wurden 513 Männer, Frauen und Kinder aus 42 Orten in der Weimarer Viehauktionshalle gesammelt und von dort am nächsten Morgen in das Ghetto Bełżyce verschleppt. Nur die damals 19­ jährige Laura Hillmann überlebte und konnte später berichten.

Am 19. September erfolgte die Deportation von 364 Menschen aus 38 Thüringer Orten nach Theresienstadt. Viele von ihnen wurden später im Vernichtungslager Auschwitz ermordet, in dem das Erfurter Unternehmen J. A. Topf & Söhne Leichenverbrennungs­öfen und Lüftungstechnik für die Gaskammern installiert hatte.

Um an alle Ermordeten dauerhaft zu erinnern, erstellt der Erinnerungsort Topf & Söhne gemeinsam mit der Thüringer Universitäts­ und Landesbibliothek ein digitales Gedenkbuch auf www.juedisches-leben-thueringen.de. Es enthält die Namen, die Lebensdaten, den Wohnort sowie den Deportations­ und Sterbe­ort jedes einzelnen Opfers. Dafür genutzte Daten des Bundesarchivs werden im Projekt gemeinsam mit lokalen Forscher:innen zur jüdischen Geschichte in Thüringen überprüft und ergänzt. Die Freischaltung des Gedenkbuchs erfolgt am 1. September 2022. Es stellt ein Angebot für die weitere Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte vor Ort dar, das fortlaufend aktualisiert werden kann.

»Schreiben gegen das Vergessen« ist ein Kooperationsprojekt des Erinnerungsortes Topf & Söhne, der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, der Landeszentrale für politische Bildung und der Künstlerin Margarete Rabow. Es wird gefördert vom Thürin ger Ministerium für Bildung, Jugend und Sport im Rahmen des Thü-ringer Landesprogramms für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit »DenkBunt«.

Schreiben Sie mit!