Presse
weimar.deStadtAktuellNeue Schrift erinnert an Charlotte Krackow

Neue Schrift erinnert an Charlotte Krackow

Das Kirms-Krackow-Haus ist in Weimar ein Begriff – seit über 100 Jahren ist das alte Weimarer Bürgerhaus ein Museum. Benannt ist das Haus u. a. nach seiner letzten Bewohnerin, die hochbetagt als eine Art „lebende Legende“ unter den Mitbürgern galt.

"Gestaltung: Waldmann. Büro für Gestaltung, Bildausschnitt Buchcover"

Charlotte Krackow (1825–1915) bewahrte die mündlichen Überlieferungen ihrer Familie bis zurück in die Regierungszeit Anna Amalias; sie selbst war als Zeitzeugin der Goethezeit bekannt, denn sie war schon sieben Jahre alt, als Goethe starb. Immer wieder hatte sie der Großherzog Carl Alexander gedrängt, ihre Erinnerungen niederzuschreiben.

Zum Ausklang des „Carl-Alexander-Jahres“ anlässlich des 200. Geburtstages des Kulturmäzens liegt das verschollen geglaubte Originalmanuskript der „Erinnerungen der Charlotte Krackow“, wiederentdeckt bei Recherchen in Privatbesitz eines Nachfahrens, nun in Buchform vor. Die Germanistin Dr. Ulrike Müller-Harang hat die Papiere geordnet, sorgfältig kommentiert – und das Stadtmuseum Weimar publiziert mit dem neuen Band der Reihe der „Weimarer Schriften“ erstmals das vollständige Manuskript. Das Besondere daran ist, dass die Schilderungen reich mit Illustrationen erwähnter Persönlichkeiten, Stadtansichten und Schriftdokumenten versehen wurden. Damit entfaltet sich ein lebendiges Panorama des 19. Jahrhunderts, wird ein Blick auf die Stadt Weimar aus der Sicht einer Bürgerin ermöglicht, wird der Alltag ebenso geschildert wie die tatsächlich engen Kontakte zwischen der Bürgerschaft und der Hofgesellschaft. Goethe, Wieland, Herder, Hummel, Liszt, Maria Pawlowna: Über alle wusste Charlotte Krackow zu berichten, erinnerte sich an denkwürdige Konzerte, Uraufführungen und Gastspiele internationaler Künstler auf dem Theater. Verwoben sind die Begebenheiten mit Bemerkungen zum Leben in der Kleinstadt: Da rasseln die Ketten der Öllampen, die über den Gassen baumeln. Beeindruckend sind auch das Register und ein kleines Personenlexikon im Anhang des Buches, das die Herausgeberin in höchster Sorgfalt mit Daten zu Hunderten erwähnter Personen versehen hat. Schließlich bereiten auch die unverändert übernommene Orthographie und Ausdrucksweise des zwischen 1903 und 1910 entstandenen Manuskripts ein besonderes Lesevergnügen.

Die Erinnerungen der Charlotte Krackow. Das vollständige Manuskript von Caroline Kirms und Charlotte Krackow. Herausgegeben und kommentiert von Ulrike Müller-Harang 

Weimarer Schriften Heft 72, Weimar 2018

Herausgegeben von der Stadt Weimar. Stadtmuseum Weimar im Bertuchhaus

ISBN 978-3-910053-65-6

ISSN 0138-3892

Gestaltung: Waldmann. Büro für Gestaltung

Preis: 10,80 €