Presse
weimar.deStadtAktuellMenschenrechtspreis 2018 der Stadt Weimar an Schwester Lorena Jenal verliehen

Menschenrechtspreis 2018 der Stadt Weimar an Schwester Lorena Jenal verliehen

Die Stadt Weimar hat am heutigen Tag der Menschenrechte die Schweizer Ordensschwester Lorena Jenal für ihren Einsatz für die Opfer von Hexenverfolgungen in Papua-Neuguinea mit dem Weimarer Menschenrechtspreis 2018 ausgezeichnet.

"Foto: Stadt Weimar"

Der Weimarer Stadtrat hatte der katholischen Ordensfrau  den Preis am 20. Juni dieses Jahres zuerkannt. Er folgte damit der Empfehlung des Vergabebeirates des Weimarer Menschenrechtspreises, der sich für den Vorschlag von missio e. V. ausgesprochen hatte.

Der Menschenrechtspreis der Stadt Weimar wird seit 1995 jährlich an Personen oder Organisationen vergeben, die sich beispielhaft für die Ächtung von Völkermorden, die Abschaffung der Todesstrafe, für die Rechte von Kriegs- und Gewaltopfern oder für die Minimierung von Waffen- und Rüstungsexporten einsetzen.

Aus der Begründung des Stadtrates:

„Der Vergabebeirat Menschenrechtspreis hat in seiner Sitzung am 06.06.2018 aus den eingereichten Vorschlägen Schwester Lorena Jenal für den diesjährigen Menschenrechtspreis ausgewählt. Die Schweizer Ordensschwester setzt sich für Opfer von Hexenverfolgung in Papua- Neuguinea ein. Bei ihren Hilfsaktionen für Frauen in Gefahr riskiert sie vielfach ihr Leben ….“, so der Vergabebeirat in seiner Begründung.

Hexenverfolgung - ein Thema, dessen dramatische Ausweitung im Bereich der Menschenrechte kaum bekannt ist. Experten berichten über eine historisch neue Welle der Hexenverfolgung weltweit. Immer mehr Frauen, Männer und Kinder werden als sogenannte Hexen stigmatisiert, verfolgt, gefoltert, getötet. Die UN spricht dabei von einem Phänomen, das in insgesamt 29 Ländern bekannt ist. Es taucht in christlich, muslimisch, buddhistisch, hinduistisch geprägten Regionen auf, so berichten die Vereinten Nationen. Man befürchtet, dass die Zahl der Todesopfer der letzten Jahrzehnte höher ist, als während der jahrhundertelangen Verfolgung in Europa. Dabei ähneln die Motive und Gewaltexzesse  heutiger Hexenverfolgung durchaus denen der Hexenprozesse vor 300 Jahren.

Die Schweizer Ordensschwester Lorena Jenal,  die 1979 nach Papua – Neuguinea kam, gehört zu den mutigsten Kämpferinnern gegen diese Gewaltverbrechen. In den letzten 14 Monaten hat sich die 68-Jährige um 18 Opfer von Hexenverfolgung gekümmert. Sie riskiert bei Ihren Hilfsaktionen vielfach Ihr Leben. So befreite sie im Februar 2017 eine Frau aus den Fängen der Folterer und brachte sie in eine Krankenstation, wo sie später ihren Verletzungen erlag. Polizei und Behörden unternahmen nichts in diesem Mordfall. Weil sie immer wieder Menschenrechtsverletzungen und das tatenlose Zusehen der Behörden anprangert, wird Schwester Jenal inzwischen  selbst von einem hochrangigen Polizisten bedroht.

Sie versucht die Ursachen für die neue brutale Welle der Hexenverfolgung zu identifizieren, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Dabei scheut sie sich auch nicht, mit den Peinigern zu sprechen und gegen das Nichtstun staatlicher Behörden vorzugehen. In Zusammenarbeit mit missio e.V. hat Schwester Lorena inzwischen ihr Hilfsprojekt auf ein gutes Fundament gestellt. Mit Rettungsprogrammen für die Opfer sowie Aufklärungsmaßnahmen und ihrem persönlichen mutigen Einsatz kämpft sie gegen diese Menschenrechtsverletzungen.

Ihr Engagement in Papua- Neuguinea ist Vorbild für viele Initiativen und Projekte in anderen Ländern der Welt, in denen Menschen wegen Hexenverfolgung gefährdet sind. Eine Chance, diese neue Welle der Hexenverfolgung in den 29 Ländern weltweit endgültig zu bekämpfen, gibt es nur, wenn Politik, Behörden, Polizei, Schulen sowie internationaler Unterstützer gemeinsam dagegen vorgehen.

Die Auszeichnung von Schwester Lorena mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar  ist die Hoffnung verbunden, die bislang kaum beachteten Menschenrechtsverletzungen auf Grund von Hexenverfolgungen in den öffentlichen Fokus zu rücken, die Ordensschwester in ihrem Engagement zu stärken und zu unterstützen sowie ihr Leben durch die internationale Aufmerksamkeit zu schützen.