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Georg Naftali Fürst wird neuer Ehrenbürger Weimars

Der Buchenwald-Überlebende Georg Naftali Fürst wird neuer Ehrenbürger Weimars.

Georg Naftali Fürst

Der Stadtrat hatte bereits im Mai mit breiter Mehrheit für die Verleihung gestimmt. Das Plenum folgte damit einer Empfehlung des Ehrenbürgergremiums, die auf einen Vorschlag von Dr. Johannes Bock zurück geht. Der in Haifa/Israel lebende Georg Naftali Fürst hat die Annahme der Ehrenbürgerschaft unterdessen zugesagt. Die feierliche Unterzeichnung der Urkunde durch Oberbürgermeister Peter Kleine und Stadtratsvorsitzenden Dr. Hans-Joachim Heuzeroth findet am 9. Juli 2021 im Festsaal am Herderplatz 14 statt.

„Mit der Ehrenbürgerschaft möchte die Stadt Weimar Ihr großes Engagement gegen das Vergessen und für eine notwendige Erinnerungskultur angemessen würdigen. Weimar erneuert damit außerdem sein Bekenntnis, Krieg und Faschismus auch künftig mit allen Kräften zu bekämpfen“, schrieb Oberbürgermeister Peter Kleine dem neuen Ehrenbürger.

In der Begründung des Stadtrates heißt es: „Georg Naftali Fürst wirkt seit Jahrzehnten als Aufklärer im Prozess der Erinnerungskultur zur nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Auf eindrucksvolle Weise vermag er Menschen aller Generationen anzuregen, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen sowie Empathie und Eigenverantwortung zu schulen. Vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ist er ein authentischer Vermittler für Demokratie, Menschenrechte und gelebten Humanismus.“

Zur Person:

Georg Naftali Fürst wurde am 18. Dezember 1932 in Petrzalka, einem Stadtteil von Bratislava/Slowakei, geboren. Durch die Gestapo verhaftet, wurde er zusammen mit seiner Familie nach Auschwitz-Birkenau deportiert, von wo er im November 1944 auf einen „Todesmarsch“ nach Buchenwald geschickt wurde. Dort traf er am 23. Januar 1945 ein. Er erhielt die Häftlingsnummer 120041 und lebte im sogenannten Kinderblock 66 zusammen mit Hunderten anderen Kindern und Jugendlichen. Zu diesem Zeitpunkt war Naftali Fürst erst 12 Jahre alt. Als Beruf gab er der SS Tischler an und führte so Hilfsarbeiten in diesem Bereich aus. Wie viele andere Kinder überlebte er im sog. Kinderblock 66, obwohl er schwer erkrankte. Bis zur Befreiung am 11. April 1945 blieb er im Lager.

Naftali Fürst kehrte nach Bratislava zurück und ging wieder zur Schule. Nach der Emigration der Familie 1949 nach Israel begann er eine Ausbildung zum Tischler. Von 1950 an leistete er vier Jahre lang Militärdienst. Anschließend arbeitete er in seinem Beruf in Haifa und betrieb später eine Fahrschule sowie eine Großhandelsfirma für Medikamente.

Fast 50 Jahre lang schwieg er über seine Zeit in den Lagern. Obwohl er sich geschworen hatte, nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen, folgte er im April 2005 einer Einladung zum 60. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald und reiste nach Weimar. Danach traf er immer wieder ehemalige Kameraden und begann mit Aufzeichnungen.

Seitdem reiste Naftali Fürst häufig nach Weimar und Thüringen und stellt seine Erfahrungen als Zeitzeuge zur Verfügung. Neben zahllosen Schülerinnen und Schülern führte er auch Gespräche mit dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck und der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Im März 2006 setzte er sich im Alter von 74 Jahren beruflich zur Ruhe. 2008 hat er die Lebensgeschichte seiner Familie in deutscher Sprache veröffentlicht: „Wie Kohlestücke in den Flammen des Schreckens. Eine Familie überlebt den Holocaust“.

Er sagt: „Wenn ich gefragt werde, ob ich vergeben könne, antworte ich, dass Vergebung nicht möglich ist und dass mir niemand von den Opfern das Recht verliehen hat, zu vergeben. Ich kann deshalb nicht vergeben, aber ich versuche das zu erklären und bemühe mich, neue Verbindungen zwischen uns zu knüpfen. Bei meinen Vorträgen unterstreiche ich immer wieder, dass nun eine neue Generation herangewachsen ist und ich das Interesse der Menschen an der Shoah sehr schätze.“

Naftali Fürst vertritt heute Israel im Internationalen Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos. Er ist Vorsitzender des Beirats ehemaliger Häftlinge des KZ Buchenwald an der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.