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Ausstellung erinnert an friedliche Revolution in Weimar 1989

Vor drei Jahrzehnten, am 4. und 5. Oktober 1989, versammelten sich mehrere tausend Weimarerinnen und Weimarer in der Stadtkirche, um sich erstmalig über die unerträgliche Bevormundung durch die Funktionäre der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), über die unübersehbar gewordenen gesellschaftlichen Probleme auszutauschen.

Brennende Kerzen. Die erste Dienstagsdemonstration 1989 (Foto: Carl Wenzel-Orff)

Dies war der Auftakt einer Erhebung des Volkes gegen die »alten Männer«, welche die Kluft zwischen der in ihrem Auftrag auf allen Kanälen verbreiteten Schönfärberei und den tatsächlichen Realitäten beharrlich ignorierten, ein Aufstand auch gegen die Arroganz ihrer vielen Gehilfen in den Institutionen.

»Neue Männer braucht das Land« hatten Jahre zuvor junge Weimarer – frustriert über eine ihnen versagt gebliebene akademische Laufbahn – an eine Hausfassade gesprüht; sie mussten deshalb Monate in einer Haftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit verbringen.

Etwa 33.000 politische Häftlinge hatte der Staat, in dessen Verfassung Meinungsfreiheit eigentlich als Grundrecht verankert war, aus seinen Gefängnissen in die Bundesrepublik verkauft. Mehrere Milliarden Deutsche Mark füllten so die devisenhungrigen Konten; gleichzeitig entledigte man sich auf diese Art seiner unbequemsten Bürgerinnen und Bürger.

Mit einer Ausstellung im öffentlichen Raum wird an die Geschehnisse vor dreißig Jahren erinnert. Unter dem Titel »1989. Orte der friedlichen Revolution in Weimar« erzählen mit prägnanten Fotos illustrierte Texttafeln von ausgewählten Ereignissen und Facetten des politischen Umbruchs. Dass dieser ohne jedes Blutvergießen gelang, verdient größten Respekt gegenüber den ungezählten Beteiligten.

Die an den auch im Innern schwer bewaffneten Staat gerichtete Aufforderung »Keine Gewalt!« etablierten sie als Leitspruch auch eigenen Handelns bei den Kundgebungen. Noch ganz frisch war die Erinnerung an das Massaker in Peking im Juni 1989, das höchste Entscheidungsträger der DDR, SED-Funktionäre, gutgeheißen hatten. Als Zeichen der Gewaltlosigkeit, Besonnenheit und Hoffnung trugen die Demonstrierenden nun Kerzen vor sich her.

Fünf prominente, hochfrequentierte Plätze wurden für die Ausstellung ausgewählt: Herderplatz, Platz der Demokratie, Theaterplatz, der Campus der Bauhausuniversität. Auf dem Marktplatz schließlich trägt die Stadtverwaltung Weimar zur Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit bei: Als am 7. Mai 1989 die letzten »Wahlen« vor der friedlichen Revolution in der DDR stattfanden und einige Bürgerinnen und Bürger ihr Recht wahrnehmen wollten, die Stimmenauszählung im »Sonderwahllokal« zu beobachten, war ihnen hier, wo besonders viele Stimmen auszuzählen waren, von hochrangigen Rathaus-Mitarbeitern der Zutritt zur Auszählung verwehrt worden – ein eindeutiger Verstoß selbst gegen das Wahlgesetz der DDR!

Die Beobachtung und Entlarvung der Wahlen als Betrug im Mai 1989 durch Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler – übrigens in vielen Städten der DDR – war gewissermaßen der Vorbote der Herbstrevolution; das Rathaus war die kommunale Zentrale der Staatsmacht.

Die Ausstellung entstand in Kooperation verschiedener Weimarer Institutionen. Die Organisation lag in den Händen der Kulturdirektion der Stadt Weimar und der Volkshochschule. Die inhaltliche Konzeption betreute federführend das Stadtarchiv. Mit eigenen Tafeln beteiligten sich die evangelische Kirchengemeinde, die Musikhochschule Franz Liszt, die Bauhaus-Universität. Die Stadtbücherei übernahm die grafische Gestaltung.

Besonderer Dank gilt Weimarerinnen und Weimarern, die Fotos beisteuerten. Schließlich stellten die Sparkasse Mittelthüringen und das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport finanzielle Mittel für die Realisierung bereit.

Die Ausstellung wird am 21. September 2019 um 13 Uhr auf dem Herderplatz eröffnet. Es sprechen der Oberbürgermeister Peter Kleine sowie Axel Stefek vom Stadtarchiv. Alle Interessenten sind herzlich eingeladen!