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Neubau Gemeinschaftsschule Am Hartwege

Projektprozess

Bewerbung als IBA Kandidat

Die Stadt Weimar hat sich zusammen mit der Staatlichen Gemeinschaftsschule Weimar im Jahr 2014 erfolgreich bei der IBA Thüringen als IBA Kandidat beworben. Ihr breiter und offensiver Fragenkatalog hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit guter Bildungsbauten überzeugte den IBA Fachbeirat und bildete die Grundlage für einen langjährigen und vielschichtigen Entwicklungsprozess. Mit der erfolgreichen Bewerbung 2016 beim bundesweiten Wettbewerb "Inklusive Schulen Planen und Bauen" der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft konnte zusätzlich die Stiftung als Partnerin gewonnen werden, die seit dem mit hohem inhaltlichen, fachlichen und finanziellen Engagement den Entwicklungsprozess des ambitionierten Modellvorhabens in der Phase Null und in den weiteren Planungsphasen begleitet.

Phase Null

Für die Entwicklung und Planung der Schule der Zukunft wurde ein außergewöhnlicher Weg gewählt: Die vielschichtigen und komplexen Fragestellungen bezüglich eines Schulbaus können nur gemeinsam an einem Tisch, d.h. aus der Perspektive der NutzerInnen (Schulleitung, PädagogInnen, SchülerInnen und Eltern), als auch aus der Perspektive der Verwaltung (Schulverwaltung, Gebäudewirtschaft, Stadtplanung der Stadt Weimar) und Politik beantwortet werden. Daher wurden von 2016 bis 2017 in einer sogenannten Phase Null unter Begleitung eines erfahrenen Schulbauberatungs-Teams und mit zahlreichen Experten diskutiert, welche Programm- und Funktionsbereiche das zukünftige Schulgebäude braucht. In den zahlreichen Workshops wurden dazu mehrere Szenarien entwickelt und gemeinsam Entscheidungen verhandelt. Ergänzt zu den Workshops beteiligten sich alle AkteurInnen im Februar 2017 an einer Exkursion, die unter der projektspezifischen Fragestellung zu pädagogisch-architektonischen Konzepten den Horizont erweiterte und das theoretisch Entwickelte an sichtbaren Beispielen veranschaulichte.

Anschließend wurden die Ergebnisse der Phase Null in einer Machbarkeitsstudie hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit im Bestand oder alternativ als Neubaulösung untersucht. Im Ergebnis votierte der Weimarer Stadtrat aus der Abwägung programmatischer und wirtschaftlicher Aspekte für die Neubauvariante.

Schulbau Open Source

Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft und die IBA Thüringen verfolgten aufbauend auf diesen ersten umfänglichen Erkenntnissen die Idee, das Projekt- und Planungswissen modellhaft für weitere Schulträger und Standorte bereit zu stellen. Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft initiierte daraufhin das Projekt „Schulbau Open Source“ mit dem Standort Weimar als erstes Pilotprojekt. Ziel von "Schulbau Open Source" ist die vollständige und transparente Dokumentation von innovativen, modellhaften Schulbauprojekten im gesamten Bundesgebiet. Die Stiftung entwickelt ein digitales Planungswerkzeug, das anhand von Entwurfsentscheidungen in den einzelnen Projekten den Umgang mit bestehenden Richtlinien und Vorgaben aus Baurecht, Unfallschutz und vorherrschenden Standards bezogen auf die Anforderungen einer zukunftsfähigen Pädagogik abbildet und nachvollziehbar macht. Das Planungswerkzeug bietet ein übersichtliches und detailreiches Nachschlagewerk für Planende im Schulbau und stellt gleichzeitig einen Qualitätsrahmen für einen zukunftsfähigen Schulbau für die Kommunen dar.

Der Entwurf

Dank der fachlichen wie finanziellen Unterstützung der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft konnte ein interdisziplinäres Experten-Team aus PädagogInnen, ArchitektInnen und FachplanerInnen gemeinsam mit der Verwaltung und den Nutzerinnen das Weimarer Pilotprojekt in den weiteren Leistungsphasen in der Planung weiterentwickeln. Vergleichbare international und national bereits realisierte Schulbauvorhaben bildeten eine wichtige Quelle für Inspiration.

Der fertige Entwurf für den Schulneubau wurde im Dezember 2019 bei einer öffentlichen Veranstaltung in der Stadt Weimar feierlich vor zahlreichen SchülerInnen und deren Eltern an den Oberbürgermeister Peter Kleine übergeben.

Der Fachbeirat der IBA Thüringen ernannte den IBA Kandidaten mit der Finalisierung des Entwurfs zum IBA Projekt.

Start der Umsetzung

Die Ausschreibungen für den Abbruch des alten Schulgebäudes und die Einrichtung der zukünftigen Baustellen laufen derzeit. Im Januar 2021 wurden notwendige Baumfällarbeiten durchgeführt. Die gefällten Bäume werden durch entsprechende Neupflanzungen auf dem Grundstück ausgeglichen, so dass die Leitidee einer "Schule im Park" verwirklicht wird.

Im Sommer 2021 beginnt der Bau der beiden Lernhäuser, sowie der Bau des Gemeinschaftshauses. Die Modernisierung der Sporthalle ist mit einem zeitlichen Versatz von ca. einem Jahr geplant.

Die Schulgebäude und ihre Außenanlagen sollen innerhalb des IBA Finaljahres 2023 fertiggestellt werden. Die Sporthalle folgt voraussichtlich 2024.

Mit Beginn des Schuljahres 2021/22 müssen für die SchülerInnen, die bisher Am Hartwege beschult werden, neue Räumlichkeiten gefunden werden, um während der Bauphase vertretbare Rahmenbedingungen für den Unterricht zu gewährleisten.

Etwa 225 SchülerInnen der Klassenstufen 1-9 werden am Standort der ehemaligen Diesterwegschule in der Windmühlenstraße unterkommen. Für diesen Zweck wurde das Gebäude bereits für rund 450.000 € instandgesetzt.

Alle anderen SchülerInnen sollen in das Gebäude am Sophienstiftsplatz umziehen, das zur Zeit noch von der Park-Regelschule genutzt wird. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten am Rathenauplatz 4 wird die Regelschule im Sommer 2021 dann dort ihr neues Domizil beziehen. Hieraus ergeben sich komplexe terminliche und organisatorische Abhängigkeiten, die für Baufirmen, Schulgemeinschaften und Stadtverwaltung gleichermaßen eine große Herausforderung darstellen.

Entwurfsbeschreibung

Das Herzstück des neuen Schul-Campus bilden die sogenannten Lernlofts. Das sind ca. 400 m2 große Geschossebenen. Durch ein vielschichtiges Flächenangebot und flexible Möblierung wird eine Lernlandschaft geschaffen, die unterschiedliche Orte für individuelles und gemeinsames Lernen und Lehren in unterschiedlichen Gruppengrößen bietet. Das Ganze wirkt eher wie eine Werkstatt, also ein Ort, in dem aktiv Lernerfahrungen gesammelt werden und nicht nur passiv Wissen konsumiert wird. Je ca. 80 SchülerInnen und MitarbeiterInnen der Schule teilen sich eine Etage und können diese individuell nach ihren pädagogischen Bedürfnissen anpassen. Die Fläche wird ergänzt um einen Funktionskern, der die Sanitäranlagen und Nebenräume beinhaltet.

Je drei dieser "Lernlofts", bilden ein Gebäude oder Gemeinschaftshaus, das auch Quartiersfunktionen übernehmen kann. Insgesamt drei dieser Lernhäuser positionieren sich frei auf dem großzügigen, circa 20.000m2 umfassenden Grundstück mit parkartigem Charakter. Die vorhandene Sporthalle fügt sich in das Ensemble ein und wird modernisiert. Die Schule bietet damit Platz für insgesamt rund 380 SchülerInnen und soll den sogenannten C-Zweig der Jenaplanschule als auch die 10. Klassen und Oberstufe der gesamten Schule (Zweige A, B, C) beherbergen.

Projektkosten

Die Gesamtkosten für das Vorhaben belaufen sich nach aktueller Kalkulation auf ca. 18 Mio. EUR. Die Finanzierung erfolgt zu 2/3 aus Landesmitteln und 1/3 aus Eigenmitteln der Stadt Weimar. Die Kosten für die Modernisierung der Sporthalle werden auf ca. 3,5 Mio, EUR geschätzt.

Hintergrund zentrale Projektakteure

Staatliche Gemeinschaftsschule Weimar

Die Staatliche Gemeinschaftsschule Weimar arbeitet und strukturiert sich nach dem reformpädagogischen Konzept JENAPLAN. 848 SchülerInnen der Jahrgänge 1 bis 12 bilden mit PädagogInnen und Eltern eine Schulgemeinschaft und pflegen demokratische Prozesse. Heterogenität bildet die Basis ihrer Arbeit. Die Gemeinschaftsschule hat es sich zur Aufgabe gemacht, jedem Einzelnen die Chance zu geben, den bestmöglichen allgemeinbildenden Schulabschluss innerhalb einer Schule, in einem verlässlichen sozialen Gefüge und ganztägig zu ermöglichen. Die individuelle Förderung in der Gemeinschaft steht im Fokus. Der offene Unterricht wird bevorzugt, neben den Lernergebnissen steht der Arbeits- und Lernprozess des Kindes im Mittelpunkt.

Das Schulkonzept war für die Planung der neuen Schule von großer Bedeutung und wurde im Prozess auch stetig weiterentwickelt. Mit der Umsetzung des Schulbaus wird der Raum als pädagogische Dimension sichtbar werden.

Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft

Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft ist eine unabhängige gemeinnützige Stiftung und gehört zur Gruppe der Montag Stiftungen in Bonn. In ihren Handlungsbereichen Pädagogische Architektur, Bildung im digitalen Wandel und Inklusive ganztägige Bildung engagiert sie sich für eine chancengerechte Alltagswelt, an der alle Menschen gleichberechtigt teilhaben können und die Kindern und Jugendlichen bestmögliche Entwicklungs- und Bildungschancen eröffnet. Seit über 10 Jahren setzt sich die Stiftung dafür ein, die Aufgabe der Innovation und Transformation in der Wechselbeziehung mit der Pädagogik im Schulbau voranzubringen. Ziel ist es, zukünftige Schulbauten zu ermöglichen, die eine hochwertige und zeitgemäße Bildung für alle unterstützen.

O-Ton / Zitat: Barbara Pampe, Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft

"Wir freuen uns: Unser jahrelanges Engagement bei der Entwicklung zukunftsfähiger Schulbauten an der Schnittstelle zu einer zukunftsweisenden Lehr- und Lernkultur wird jetzt in einem konkreten Vorhaben sichtbar."

IBA Thüringen

Bis 2023 entwickelt die Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen mit ihren Partnern ressourcenbewusste Projekte mit gemeinwohlorientierten Werten in und für Thüringen: innovativ, experimentell, zum Nachahmen. StadtLand ist ihr Thema, es beschreibt die kleinteilige Siedlungsstruktur im Freistaat.

Die IBA Thüringen aktiviert Leerstände im Land – LeerGut umbauen. Sie unterstützt Raumunternehmer und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – SelbstLand aufbauen. Und sie realisiert experimentelle Neubauten und macht Baukultur zum Markenzeichen von Thüringen – ProvinzModerne neubauen.

Die IBA Thüringen vernetzt, berät und motiviert ihre Projektträger, unterstützt kooperative Prozesse und fördert exzellente Gestaltung. Ihr Ziel ist es, Thüringen als Ort des Fortschritts und experimentierfreudiges Zukunftslabor neu zu denken.

O-Ton / Zitat: Marta Doehler-Behzadi, IBA Thüringen

"Schulen sind eine besonders anspruchsvolle Bauaufgabe und Bildung ist ein Schlüsselthema, auch im StadtLand Thüringen. Kooperatives Arbeiten wurde in diesem Fall zum Prinzip gemacht. Das IBA Projekt StadtLandSchule bietet insbesondere durch seinen Open Source Ansatz eine wertvolle Grundlage für Folgeprojekte im Freistaat und ganz Deutschland und Europa."

Stadt Weimar

O-Ton / Zitat: Peter Kleine, Oberbürgermeister Stadt Weimar

"Das IBA Modellvorhaben ist für die Stadt Weimar eine große Herausforderung. Dank der Unterstützung durch die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft und der IBA Thüringen sind wir gut vorangekommen und freuen uns, die neue Schule jetzt in die Tat umzusetzen."

Projekt-Partner

Projekt-Träger:

Stadt Weimar 

Kooperationspartner:

Staatliche Gemeinschaftsschule Weimar

Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, Bonn

IBA Thüringen

Planungs-Team:

Gernot Schulz Architekten, Köln

STF Energy GmbH, Erfurt

Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG, Erfurt

IEB, Ingenieurbüro Endter und Butler, Erfurt

Station C23, Weimar

IBC Ingenieurbau-Consult GmbH, Mainz

Hausmann Architekten, Aachen

Schulbauberater Walter Heilmann, Köln

Ingenieurbüro Hausladen, München

Studio Urbane Landschaften, Hamburg

Ingenieurbüro Matthias Münz, Weimar

Ingenieurbüro Fruth, Grässner & Partner, Erfurt

Förderung:

Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, Bonn

Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft