Stadtarchiv Weimar (Foto: Maik Schuck)

Stadtchronik

Von den Anfängen bis zur Gegenwart: Weimar kann auf unzählige bedeutende historische Ereignisse zurückblicken. Hier finden Sie die wichtigsten davon in kompakter Form zum Nachlesen. Tauchen Sie ein in die Geschichte dieser Stadt und halten Sie die Erinnerung lebendig!

Von den Anfängen bis zur Gegenwart

  • 5. Jh.: Das weit ausgreifende Reich der Thüringer hat eines seiner kulturellen Zentren im Gebiet des späteren Weimar.
  • 899: Erste urkundliche Erwähnung von Weimar als "Vvigmara" in einer Urkunde des Kaisers Arnulf von Kärnten.
  • 1002: Kaiser Otto III. muss die Belagerung der Burg des Grafen von Weimar, der als der mächtigste in Thüringen bezeichnet wird, erfolglos abbrechen.
  • 1254: Urkundliche Erstbezeichnung als Stadt: "in civitate nostra Wimare".
  • 1348: Erstmalige Erwähnung eines städtischen Rates, bestehend aus zwei Ratsmeistern und vier Ratsmannen.
  • 1372: Mit dem Aussterben der Grafen von Weimar-Orlamünde übernehmen die Wettiner die Grafschaft samt der Burg in Weimar.
  • 1410: Die Wettiner verleihen Weimar Stadtrecht und Stadtfreiheit nach dem Vorbild von Weißensee und bestätigen damit ältere Stadtstatuten, die bis ins Jahr 1348 zurückreichen.
  • 1424: Ein verheerendes Feuer vernichtet große Teile der Häuser, der Burg, der Stadtkirche und des Rathauses.
  • 1552: Johann Friedrich der Großmütige wählt nach dem Verlust des Kurkreises Wittenberg die Stadt Weimar zur seiner neuen Residenz; mit ihm kommt der Maler Lucas Cranach d. Ä. in die Stadt.
  • 1617: Die Fruchtbringende Gesellschaft zur Förderung und Pflege der deutschen Sprache und Literatur, auch Palmorden genannt, gründet sich im Weimarer Schloss und ist von 1651 bis 1680 hier ansässig.
  • 1690: Erstmals wird ein Ratsarchiv im Rathaus erwähnt.
  • 1708: Johann Sebastian Bach kommt als Hoforganist und Konzertmeister der Hofkapelle nach Weimar und verlässt die Residenz 1717 gegen den Willen des Herzogs.
  • 1759: Die verwitwete Herzogin Anna Amalia übernimmt die vormundschaftliche Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn und beruft 1772 Christoph Martin Wieland als Prinzenerzieher nach Weimar.
  • 1775: Herzog Carl August übernimmt die Regentschaft von seiner Mutter und lädt den Dichter Johann Wolfgang Goethe nach Weimar ein.
  • 1776: Goethe tritt als Geheimer Legationsrat in das Geheime Consilium, das oberste Beratungsorgan des Herzogs, ein. Johann Gottfried Herder kommt auf Vermittlung Goethes als Superintendent nach Weimar.
  • 1791: Gründung des Weimarer Hoftheaters, das Goethe bis 1817 leitet.
  • 1799: Friedrich Schiller wählt Weimar endgültig zu seinem Wohnsitz, um hier als freier Schriftsteller zu leben.
  • 1815: Auf dem Wiener Kongress wird das Herzogtum Weimar zum Großherzogtum erhoben. Carl August gibt 1816 als erster deutscher Fürst seinem Land eine Verfassung.
  • 1842: Franz Liszt wird zum außerordentlichen Hofkapellmeister ernannt und wirkt von 1848 bis 1861 in der Stadt.
  • 1846: Weimar erhält Eisenbahnanschluss nach Halle und Erfurt.
  • 1860: Die Herzogliche Kunstschule (1910 zur Kunsthochschule erhoben) wird eröffnet.
  • 1872: Gründung der Weimarer Orchesterschule. Aus ihr entwickelte sich die Herzogliche Musikschule, seit 1930 Hochschule für Musik.
  • 1885: Mit dem Tod des letzten Goethe-Enkels wird das Haus am Frauenplan zum Goethe-Nationalmuseum. Es gründet sich die Goethe-Gesellschaft, die in vier Jahren fast 3.000 Mitglieder gewinnt.
  • 1918: Die Novemberrevolution zwingt den letzten Großherzog zur Abdankung.
  • 1919: Im Deutschen Nationaltheater tagt die erste frei gewählte Nationalversammlung und verabschiedet die erste demokratische Verfassung für Deutschland. Nach ihrem Gründungsort nennt man die junge Demokratie "Weimarer Republik". Das Staatliche Bauhaus Weimar wird von dem Architekten Walter Gropius gegründet. Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee, László Moholy-Nagy u.a. wirken als Werkmeister bis 1925 in Weimar.
  • 1920: Weimar wird Landeshauptstadt des aus acht Kleinstaaten gegründeten Landes Thüringen, das bis 1952 besteht.
  • 1932: Deutschland und Weimar feiern den 100. Todestag Goethes mit einem "Welt-Goethe-Jahr". Bei den Thüringer Landtagswahlen wird die NSDAP mit 42,5 % stärkste Partei und bildet mit dem Thüringer Landbund die erste nationalsozialistische Regierung in Deutschland mit Sitz in Weimar.
  • 1937: Die Nationalsozialisten errichten bei Weimar das Konzentrationslager Buchenwald, das die Sowjets nach 1945 als Internierungslager weiter nutzen.
  • 1945: Die 80. US.-Infanteriedivision erobert, ohne einen Schuss abzufeuern, die Stadt und befreit sie damit von der Naziherrschaft. Die friedliche Übergabe ist das Verdienst von Zivilisten, nachdem sich alle militärischen Befehlshaber und die NS-Gauleitung abgesetzt haben. Der Bürgermeister des nahe gelegenen Dorfes Troistedt, Richard Weyde, sorgt mit großem persönlichen Einsatz dafür, dass das Ultimatum der Amerikaner rechtzeitig nach Weimar gelangt. Mit dessen umstandsloser Annahme verhindert der Oberbürgermeister Otto Koch eine Bombardierung. Er erweist der Stadt damit einen letzten Dienst. 
  • 1948: Das im Krieg schwer beschädigte Deutsche Nationaltheater wird mit Goethes "Faust" feierlich wieder eröffnet.
  • 1949: Zum 200. Geburtstag Goethes hält Thomas Mann eine viel beachtete Gedenkrede im Deutschen Nationaltheater. Das im Krieg teilweise zerstörte Goethe-Wohnhaus öffnet wieder.
  • 1953: Gründung der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar.
  • 1955: Im Schillerjahr aus Anlass des 150. Todestags des Dichters spricht erneut Thomas Mann im Deutschen Nationaltheater.
  • 1958: Einweihung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald.
  • 1963: Der Buchenwaldfilm "Nackt unter Wölfen" erlebt im Beisein des Autors der gleichnamigen Romanvorlage, Bruno Apitz, seine Welturaufführung.
  • 1975: Die Stadt begeht ein ganzes Jahr lang die Tausendjahrfeier. Später stellt sich heraus, dass Weimar nicht 975, sondern schon 899 zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden ist.
  • 1988: Hinter dem restaurierten Schillerhaus wird ein neu erbautes Schillermuseum eröffnet.
  • 1989: Die friedliche Revolution im Herbst führt zu demokratischen Veränderungen, die 1990 in freier Kommunalwahl Bestätigung finden.
  • 1993: Der Kulturrat der EU ernennt Weimar zur Kulturstadt Europas 1999.
  • 1996: Die Bauhaus-Bauten in Weimar und Dessau werden in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.
  • 1998: Die klassischen Stätten Weimars werden in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.
  • 1999: Das Kulturstadtjahr mit rund 1.000 Veranstaltungen lockt sieben Millionen Gäste an. Allein 50.000 Menschen feiern in der Altstadt Goethes 250. Geburtstag.
  • 2002: Goethes handschriftlicher Nachlass wird von der UNESCO in das Register des Gedächtnisses der Menschheit aufgenommen.
  • 2004: Im Dachstuhl der historischen Herzogin Anna Amalia Bibliothek bricht ein Feuer aus und vernichtet etwa 50.000 alte Bücher.
  • 2005: Deutschland und Weimar begehen den 200. Todestag Friedrich Schillers mit einem Schiller-Jahr.
  • 2006: Mit zahlreichen Veranstaltungen begeht Weimar ein "Deutsch-Französisches" Jahr. Auch die "Weimarer Reden" befassen sich mit den deutsch-französischen Beziehungen in Geschichte und Gegenwart.
  • Das Bauhausmuseum lädt zur Sonderausstellung anlässlich des 100. Jahrestages der Ankunft des Amerikaners Lyonel Feininger in Weimar. Feininger wurde 1919 als Formmeister an das neu gegründete Staatliche Bauhaus Weimar berufen.
  • Weimar kämpft erfolgreich für den Erhalt seines Deutschen Nationaltheaters. Etwa 80.000 Kulturbürger beteiligen sich an einer beispiellosen Unterschriftenaktion, die eine Zwangsfusion mit der Oper Erfurt ablehnt. Geplante Sparmaßnahmen der Landesregierung gehen den Diskussionen voraus.
  • 2007: Anlässlich des 70. Jahrestags der Errichtung des Konzentrationslagers Buchenwald erneuern die Teilnehmer einer Gedenkfeier den "Schwur von Buchenwald", der am 19. April 1945 ausgesprochen wurde. Ein neuer Gedenkweg vom Obelisken an der Ettersburger Straße zum Verladebahnhof Buchenwald wird eingeweiht.
  • Nach aufwändiger Restaurierung wird die durch den Brand 2004 stark zerstörte Herzogin Anna Amalia Bibliothek wieder eröffnet. Anwesend sind u.a. Bundespräsident Horst Köhler und Prinz Michael von Sachsen-Weimar und Eisenach.
  • 2008: Weimar feiert ein Bachjahr 2008. Von 1708 bis 1717 lebte und arbeitete der Musiker und Komponist am Weimarer Hof und schuf hier zahlreiche bedeutende Orgelwerke, Kantaten und Cembalowerke.
  • Weimar nennt sich nun offiziell "Kultur- und Universitätsstadt" und enthüllt entsprechende Ortseingangsschilder.
  • 2009: Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama, besucht die Gedenkstätte KZ Buchenwald und trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein.
  • Weimar feiert ein Bauhausjahr 2009. 90 Jahre Bauhaus geben Anlass zu zahlreichen Veranstaltungen. Eine davon erinnert an das gleichzeitige Jubiläum der Verfassunggebenden Nationalversammlung, der sich eine Sonderausstellung im Stadtmuseum "Weimar 1919 – Chancen einer Republik" widmet.
  • 2010: Ein Festakt in der Weimarhalle erinnert an die Gründung der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar vor 150 Jahren. Aus der 1860 von Großherzog Carl Alexander gestifteten Kunstschule ging indirekt die heutige Bauhaus-Universität hervor.


Als weitergehende Lektüre sei Ihnen das Buch "Weimar. Eine Chronik", Leipzig 1996, von Gitta-Maria Günther anempfohlen.