Weimar zeichnete sich bei dem Europäischen Wettbewerb der Entente Florale 2009 auf eine außergewöhnliche Weise durch sein breites bürgerschaftliches Engagement aus. Ganz zum Schluss der Preisverleihung am 25. September 2009 in Cardiff wurde der Kulturstadt Europas neben einer Silbermedaille im Wettbewerb damit noch eine Auszeichnung zuteil, die die über 40 angereisten Weimarer veranlasste, gemeinsam auf die große Bühne in der City Hall der walisischen Landeshauptstadt zu stürmen - und dort ihren Erfolg zu feiern. Mit ihrem Sonderpreis im Anschluss an die Medaillenvergabe zeigte die Jury ihre Begeisterung über eben diese Breite des Weimarer Engagements. „Von den Händlern über die ganze Verwaltung einschließlich Stadtspitze bis zu den Künstlern hatte die ganze Stadt ihren Anteil an dem Wettbewerb“, staunte die österreichische Jury-Vorsitzende nochmals vor den dreihundert Gästen aus 22 Städten und Dörfern über diese Weimarer Leistung.
Ansonsten präsentierte sich die Jury nach ihrer Europareise in diesem Sommer mit ihrem Urteil erstaunlich homogen und konstatierte dabei ein außergewöhnlich hohes Niveau. Von den elf Städten, die sie bereist hatte, erhielt zwar nur eine einzige Stadt, das niederländische Arnheim, in diesem Jahr eine Goldmedaille - alle anderen aber erhielten Silbermedaillen. Weimar war - wie schon im Vorfeld durch die Jury angedeutet worden war - durch die Graffitis und Tags im öffentlichen Erscheinungsbild um seine Goldmedaille gekommen. Im Wettbewerb der Dörfer wurden vier Gold- und sieben Silbermedaillen verliehen - auch das thüringische Rieth, das mit einem Bus nach Cardiff angereist war, freute sich über seine Silberne. Doch nicht nur durch seinen Sonderpreis fiel Weimar bei der Preisverleihung im neobarocken Festsaal des Rathauses von Cardiff auf und aus dem Rahmen. Hatte die Stadt mit "Gnadenlos Schick" doch wieder seine zwölf Entente-Schönheiten dabei, die schon beim Sektempfang zum Einstieg in den Abend für ein Blitzlichtgewitter sorgten. Und so mussten die gnadenlos Schicken denn auch den ganz Abend mit unterschiedlichen Bürgermeistern aus ganz Europa posieren - hatte doch ein(e) Jede(r) von ihnen wieder ein kleines Accessoir, das sie als Landsmännin einer der 10 Weimarer Konkurrenzstädte in diesem Wettbewerb kennzeichnete. Als eine kleine Erinnerung an den gemeinsamen Wettkampf überreichten sie den städtischen Bürgermeistern zudem eine kleine (Sprüh-)Malerei auf Leinwand: Graffitis aus der Hand von Weimarer Künstlern, die in Kopie und als elfteiliges Leporello auch an alle Juroren ging - ein kleiner freundlicher Kommentar der Stadt Weimar zum Thema Graffiti und ihrer vielfältigen Erscheinungsweise, der auch nachdenklich machen darf.
Keine zehn Stunden nach dem Ende der Galaveranstaltung tauchte Gnadenlos Schick übrigens schon wieder im Cardiffs Innenstadt auf - statt in grün nun ganz in pink gewandet („damit fällt man hier in den Doppeldeckern aber sehr viel weniger auf“, so Christel Schönes Erfahrung). Ihren Auftrittsort hatten sie an diesem Samstagvormittag, dem 26.9.2009, nun in das Stadtschloss verlegt - wo sich die elf Städte dem walisischen Publikum (und einander) touristisch, kulinarisch und Weimar auch sehr botanisch und very english präsentierten.
Am Weimarer Stand: Herr Becker vom Ginkgo-Museum und Jens Braun von der weimar GmbH - mit gebratenen Ginkgo-Nüssen von der Pfanne, einem grünleuchtenden Pflanzenstand mit Goethekopf und natürlich jeder Menge englischsprachigem Infomaterial. „Das Interesse war riesengroß“, so das Fazit von Jens Braun nach einem langen Tag im Schloss: „Das Thema Ginkgo war ein wunderbarer Türöffner für vielerlei Gespräche über Weimar, Gespräche, die alle mit der Frage begannen, was diese Pflanze denn mit Weimar zu tun habe.“ Die Weimarer Delegation gönnte sich noch zwei Tage in Wales - als ein kleines Dankeschön des Oberbürgermeisters an seine Mitarbeiter für zwei lange Jahre Rundumeinsatz im Entente-Wettbewerb. Neben einigen Ehrenamtlichen und dem engeren Entente-Team waren vor allem Kollegen aus der Grünflächenabteilung und dem Betriebshof mit von der Partie. Mit ihnen in der Innenstadt von Cardiff unterwegs zu sein, bedeutet für den Laien übrigens einen Crashkurs hinsichtlich der Beurteilung von öffentlichen Blumenarragements, von Straßenpflastern und der urbanen Gesamterscheinung - nicht zu vergessen das Aufspüren noch der verborgensten Tags.




