13.04.2017 | Meldung | Von: Stabsstelle Kommunikation und Protokoll

Wie kann ich meine Stasi-Akte einsehen?

Bürgerberatungs- und Informationstag mit Vortrag „Zwangsdoping im DDR-Sport im Spiegel der Stasi-Akten“

Die Außenstelle Erfurt des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) bietet am Dienstag, den 16. Mai 2017, im Marie-Juchacz-Saal der Stadtverwaltung allen Interessierten die Möglichkeit, sich in der Zeit von 10 bis 18 Uhr rund um das Thema Einsicht in Stasi-Akten beraten zu lassen und einen Antrag zu stellen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Außenstelle erläutern die gesetzlichen Regelungen für die Akteneinsicht, zum Beispiel wie der Zugang zu Stasi-Unterlagen zur eigenen Person und zu verstorbenen nahen Angehörigen beantragt werden kann, oder ob man Kopien aus Unterlagen sowie die Klarnamen von Inoffiziellen Mitarbeitern bekommen kann. Wer einen Antrag auf Einsichtnahme in Stasi-Unterlagen oder einen Wiederholungsantrag stellen möchte, wird gebeten, ein gültiges Personaldokument mitzubringen.
Für interessierte Schulen oder andere Bildungseinrichtungen liegen Publikationen bereit. Außerdem gibt es Informationen zur Nutzung von Stasi-Unterlagen für Forschung und Medien.

Um 16.30 Uhr informiert der Journalist Thomas Purschke im Vortrag „Zwangsdoping im DDR-Sport im Spiegel der Stasi-Akten“. Der Eintritt ist frei.

Mitte der 70er Jahre wurden weltweit Doping-Kontrollen im Leistungssport eingeführt. Von da an waren die Verantwortlichen der Leistungssportkommission bemüht, Dopingkontrollen zu unterwandern. Die Stasi hatte die Aufgabe, den Geheimnisschutz der Dopingprojekte zu gewährleisten und die daran beteiligten Personen zu überwachen. Das staatlich organisierte, geheime Zwangsdopingsystem verlangte von vielen DDR-Athleten einen hohen Preis für ihre sportlichen Erfolge. Viele Sportler, darunter auch Minderjährige, bezahlten mit ihrer Gesundheit und einige mit ihrem Leben. Den Verantwortlichen war bekannt, dass bei den Sportlern irreversible Schäden eintreten können. Doch dies wurde im Interesse der weltweiten Erfolge des DDR-Sports und der politischen Ziele in Kauf genommen. Das Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport in Leipzig leitete die Entwicklung neuer Dopingpräparate. Es arbeitete mit der Forschungsabteilung von Jenapharm und dem Zentralinstitut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie (ZIMET) eng zusammen. In einem Vortrag wird die Beteiligung Thüringer Wissenschaftler, Mediziner und Funktionäre an diesen perfiden Projekten thematisiert.