25.01.2012 | Mitteilung | Von: Katrin Czerwinka
Weimarer Reden 2012: Quo vadis Europa?
Am 4., 11., 18. und 25. März, 11:00 Uhr, im Deutschen Nationaltheater Weimar
Erneut steht Europa im Mittelpunkt der Weimarer Reden! Fragten wir in den vergangenen Jahren nach der Verfassung der Gemeinschaft, den Mechanismen der Märkte und demokratischen Gestaltungsmöglichkeiten, so beschäftigt uns jetzt verstärkt die Zukunft der Europäischen Gemeinschaft.
Wohin geht Europa?
Die Feiern zum 10. Geburtstag der Gemeinschaftswährung fielen krisenbedingt bescheiden aus, obwohl 230 Millionen Menschen mit dem Euro inzwischen selbstverständlich umgehen. Nur: Was bezahlen sie damit, wer entscheidet darüber und wie transparent ist das?
Es geht also nicht nur um die Zukunft des Euro und die angestrebte Fiskalunion, sondern zugleich auch um die europäische Identität als einem Wertekanon von Demokratie, Menschenrechten und Freiheit. Wird diese Identität nicht vermittelt und erlebt oder gar verletzt, wie derzeit in Ungarn, verliert auch die Gemeinschaft international an Glaubwürdigkeit. Allein mit Sanktionen lässt sich dieses Problem nicht lösen. Es bedarf glaubhafter Politiker mit Gestaltungswillen, die für Transparenz sorgen und mit ihrem Beispiel Bürger aktivieren, sich selbst und die Politik nicht länger zu unterfordern.
Glaubhafte, sachverständige Politiker und Wissenschaftler verschiedener Generationen werden an den vier Märzsonntagen für dieses demokratische Europa sprechen: der nicht nur in der SPD seit über 50 Jahren für Grundwerte eintretende Erhard Eppler; der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank und Chefökonom der EZB a. D. Otmar Issing, der bekennt, dass Wirtschaft und Währung nicht alles sind; der Grüne Europaabgeordnete und Attac-Aktivist Sven Giegold, dessen Ziel eine solidarische Moderne ist und die europäische Brückenbauerin Gesine Schwan, die sich für eine neue Kultur der Gemeinsamkeit einsetzt.
Die Veranstalter der Weimarer Reden - seit nunmehr 19 Jahren - das Deutsche Nationaltheater Weimar und die Stadt Weimar, danken der E.ON Thüringer Energie AG auch in diesem Jahr wieder für die unverzichtbare Unterstützung!
Als Medienpartner stehen seit 1994 die Thüringische Landeszeitung und seit 3 Jahren MDR 1- Radio Thüringen den Weimarer Reden zur Seite.
Ein weiterer Förderer: Das Dorint Hotel.
Die Rednerinnen und Redner im Einzelnen:
4. 3., Erhard Eppler: Europa in der Sackgasse?
Vorrede: Stefan Wolf, Oberbürgermeister
Dr. Erhard Eppler, 1926 geboren, „gilt als kritisches Gewissen der Bundesrepublik und der SPD. Er hielt an seinen klaren Positionen auch dann fest, wenn dies zu Lasten seiner politischen Karriere ging. Egon Bahr hat einmal über ihn geschrieben: Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben auch. Nach seinem Rückzug von allen politischen Ämtern und Mandaten 1982 begann seine zweite erstaunliche Karriere als Vor- und Nach- und Querdenker, auf den sich nicht nur Sozialdemokraten berufen“, so seine Biografin Renate Faerber-Husemann. Nach Notabitur, Reichsarbeitsdienst, Militärdienst und Abitur studierte Erhard Eppler 1946 - 1952 Englisch, Geschichte und Deutsch in Frankfurt/M., Bern, Tübingen und promovierte.1952-1961 war er Gymnasiallehrer. Seit 1956 ist er in der SPD und war für die Partei u.a. 1961 - 1976 im Deutschen Bundestag, 1968 - 1974 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, 1970 - 1991 im Parteivorstand,1973 -1982 und 1984 - 1989 im Präsidium, 1973 - 1995 Mitglied der Grundwertekommission der SPD und 1976 - 1992 deren Vorsitzender. Kirchenpolitisch aktiv war er u.a. 1961 - 1991 in der EKD-Kammer für öffentliche Verantwortung, 1968 - 1984 in der Synode der EKD und 1977 - 1997 im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags sowie als Präsident des 20. und 24. Kirchentags. Jüngste Veröffentlichung: Eine solidarische Leistungsgesellschaft: Epochenwechsel nach der Blamage der Marktradikalen, (2011).
11. 3. Otmar Issing: Mehr Europa? Der Weg aus der Krise
Vorrede: Prof. Dr. Klaus Dicke, Rektor der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Otmar Issing, geb. 1936, war als Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank 1998 - 2006 für die Generaldirektionen Volkswirtschaft und Volkswirtschaftliche Forschung zuständig. 1990 - 1998 war er Mitglied des Direktoriums und des Zentralbankrates der Deutschen Bundesbank und 1988 - 1990 Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. 1967-1973 war er Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg und Vorstand des Instituts für Internationale Wirtschaftsbeziehungen, von 1973-1990 Professor für Volkswirtschaftslehre, Geld und Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Würzburg. 2008 wurde er von Bundeskanzlerin Merkel zum Vorsitzenden der Expertengruppe für eine neue Finanzarchitektur bestellt. Er war Mitglied der High Level Group der Europäischen Kommission unter dem Vorsitz von J. De Larosière. Er ist Mitglied bedeutender internationaler Gremien und erhielt hochrangige Ehrungen, u.a. das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Neben zahlreichen Beiträgen für wissenschaftliche Zeitschriften und Sammelbände veröffentlichte er u. a. die Lehrbücher Einführung in die Geldtheorie (15. Auflage 2011) und Einführung in die Geldpolitik (6.Auflage 1996). Der Euro – Geburt, Erfolg, Zukunft, erschien 2008, engl. The Birth of the Euro 2008, chinesische Ausgabe 2011.
18.3. Sven Giegold: Projekt Europa in Gefahr - Pfade aus der Eurokrise
Vorrede: Hans Hoffmeister, Chefredakteur der TLZ
Sven Giegold, 1969 auf Las Palmas de Gran Canaria geboren, ist seit 2009 Abgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen im Europäischen Parlament und finanz- und wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA. Nach dem Abitur in Hannover absolvierte er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften, Erwachsenenbildung und Politik in Lüneburg, Bremen und Birmingham und einen Master in Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsentwicklung an der University of Birmingham. Seit den frühen 1990er Jahren beschäftigt er sich intensiv mit den Themen Globalisierung und Solidarische Ökonomie und engagierte sich in der Jugendumweltbewegung. Er war Mitbegründer von Attac Deutschland und seit 2002 mit dem Aufbau der europäischen Attac-Koordination befasst. Seit 2007 ist er Mitglied in der Präsidialversammlung des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Sven Giegold ist Gründungsmitglied und Vorstandssprecher vom Institut Solidarische Moderne e.V., Mitinitiator von finance watch, Mitgründer des internationalen Tax Justice Network (London), und Mitgründer der Wohnungsgenossenschaft AllerWohnen e.G., wo er in einem ökologischen Gemeinschaftsprojekt lebt. Veröffentlichungen u.a.: Steueroasen: trockenlegen! (2003) und mit Dagmar Embshoff (Hrsg.), Solidarische Ökonomie im globalisierten Kapitalismus (2008).
25.3. Gesine Schwan: Über die Freude an Europa
Vorrede: Stephan Märki, Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar
Gesine Schwan wurde 1943 in Berlin geboren. Sie studierte Romanistik, Geschichte, Philosophie und Politologie an der Freien Universität Berlin und an der Universität Freiburg. 1970 promovierte sie an der FU Berlin. 1974 folgte die Habilitation an derselben Universität. Von 1977 bis 1999 forschte und lehrte Gesine Schwan als Professorin für Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Gastaufenthalte in Washington, Cambridge und New York. Von 1999 bis Herbst 2008 war sie Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. 2005 - 2009 übernahm Gesine Schwan das Amt der Koordinatorin der Bundesregierung für die grenznahe und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit mit Polen. Sie ist zudem Mitglied des Kuratoriums der deutsch-polnischen Wissenschaftsstiftung, deren Gründung sie maßgeblich vorangetrieben hat. Seit Juni 2010 ist sie Präsidentin der HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance. Wichtigste Publikationen u.a.: Bildung: Ware oder öffentliches Gut? (2010), Wege in eine gemeinsame Zukunft. Reden (2010), Woraus wir leben. Das Persönliche und das Politische (gem. mit Christian Geyer; 2009), Allein ist nicht genug. Für eine neue Kultur der Gemeinsamkeit (gem. mit Susanne Gaschke; 2007), Demokratische Politische Identität. Deutschland, Polen und Frankreich im Vergleich (Hrsg.; 2006).