10.02.2017 | Meldung | Von: Stabsstelle Kommunikation und Protokoll

True Lies | Die echte Lust am Falschen: Ausstellung der Stipendiaten des 22. Internationalen Atelierprogramms

Rheim Alkadhi: "Refugee Housing", Foto: ACC-Galerie

Unter dem Titel „True Lies | Die echte Lust am Falschen“ gehen Nancy Mteki (Simbabwe), Rheim Alkadhi (Irak/USA) und Lodewijk Heylen (Belgien), Stipendiaten des 22. Internationalen Atelierprogramms der ACC Galerie und der Stadt Weimar, der Frage nach, wie wir unsere Realität konstruieren, was Lüge, Wahrheit und Simulation sind.

Vortäuschen, nachahmen, „so-tun-als-ob“ sind nicht nur verbreitete Mittel der Kunst, sondern auch Kulturverfahren, mit denen man in schwierigen Situationen besser durch das Lebens kommt. Die Lüge ist eine List des Überlebens, wie auch eine Methode des Erkenntnisgewinns. Wir simulieren, was wir vermissen, was einmal (vertraut) war, um uns sicher zu fühlen in dem, was ist.

Nancy Mteki stammt aus einer Künstlerfamilie in Simbabwe. Als Kellnerin sah sie im südafrikanischen Kapstadt Fotoporträts Nelson Mandelas, die ihr Interesse an der Fotografie weckten. Sie erlernte das grundlegende fotografische Rüstzeug und arbeitete in Simbabwe als Fotografin bei einer Zeitung. Als Vollzeitjob erschien ihr dies jedoch zu einseitig, zu wenig künstlerisch. Das Weimarer Stipendium bot die einmalige Gelegenheit, ihre künstlerischen Ambitionen fortzusetzen. Innerhalb eines Jahres wurde aus der simbabwischen Stipendiatin eine Bewohnerin Weimars, die mit der Stadt vertraut ist, die deutsche Sprache erlernt und an der Bauhaus-Universität nachholen möchte, was ihr in ihrem Heimatland verwahrt blieb: Das Studium der Freien Kunst. Der Inszenierung Weimars und der Inflation von Weimars Erzählungen und Bildern setzt sie in der Ausstellung ihre Selbstinszenierungen entgegen.

Die US-Irakerin Rheim Alkadhi sucht in ihren Bildern das Absurde, das mit vielen Bedeutungen Ausgestattete wie auch unbequeme Ideen, weil diese am meisten über Menschen und Gesellschaften erzählen. Dabei benutzt die Künstlerin vorwiegend Materialien, die sie vor Ort findet.

In Alkadhis Arbeit „Refugee Housing“ (2016/17) verwendet Alkadhi ein altes Fotoalbum, das sie auf einem Weimarer Flohmarkt gefunden hat. Die einzelnen Seiten wurden aus ihrer Bindung gelöst und zu temporären Behausungen für Flüchtlinge im Miniaturformat zusammengefaltet, in denen die Schlitze für Fotos nun als Fenster dienen.

Lodewijk Heylen ist ein technikbegeisterter Künstler und Science-Fiction-Experte. Für das Atelierprogramm beworben hat er sich mit der Weiterführung seines Werkes „Reformator Universalis“, einem Computerprogramm, welches automatisch Autobahnkreuzungen konstruiert. Gemeinsam mit Studierenden des Meandering Through Space-Seminars der Bauhaus-Universität Weimar untersuchte der Künstler während seiner Aufenthaltes ein die Beziehung zwischen computerisierter und existenzieller Wahrnehmung von Räumlichkeit und Bewegung. Ein System polychromer Bälle bewegt sich wie Atome, beeinflusst durch die Schritte der Galeriebesucher. Zusätzlich zu diesen unfreiwilligen Interaktionen haben die Besucher den Auftrag einfachen Regeln zur Wiederherstellung der Ordnung zu folgen, die jedoch zu mehr Chaos führen.

Über das Internationale Atelierprogramm:
Das Internationale Atelierprogramm der ACC Galerie und der Stadt Weimar wurde 1994 ins Leben gerufen. Bisher waren 66 Künstlerinnen und Künstler aus 34 Ländern im Rahmen des Programms in Weimar zu Gast. Die Stadt Weimar verfolgt mit dem Atelierprogramm das Ziel, Künstlerförderung und Präsentation zeitgenössischer Kunst miteinander zu verbinden und den internationalen Kulturaustausch zu fördern.
Mit freundlicher Unterstützung  der Thüringer Staatskanzlei — Abteilung Kultur und Kunst, der Sparkasse Mittelthüringen und dem Förderkreis der ACC Galerie Weimar.


Ausstellungszeitraum:  10.1. -  07.05.2017
Eröffnung: 09.02.2017, 19 Uhr
Öffnungszeiten: So bis  Do, 12 - 18 Uhr; Fr und Sa, 12 - 20 Uhr