04.04.2017 | Meldung | Von: Stabsstelle Kommunikation und Protokoll

Geschichte der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen in Weimar 1939-1945 wird erforscht

Die Geschichte Weimars im Nationalsozialismus ist untrennbar mit dem KZ Buchenwald und der Ausbeutung seiner Häftlinge verbunden, von denen Tausende im Stadtgebiet arbeiteten.

Neben ihnen waren aber seit 1939 auch zahlreiche zivile Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene im Einsatz. Während  des Zweiten Weltkriegs wurden vermutlich 5.000 oder mehr von ihnen nach Weimar deportiert. Hunderte Zwangsarbeiterinnen  und Zwangsarbeiter aus ganz Europa starben in der Stadt oder wurden von hier in das KZ Buchenwald und in andere Haftanstalten überstellt. Über ihr Schicksal, ihren Alltag und die Reaktion der deutschen Zivilbevölkerung auf die Deportierten ist bis heute wenig bekannt. Dabei waren männliche und weibliche Zwangsarbeiter spätestens ab der zweiten Kriegshälfte in Weimar allgegenwärtig. Ihre Lager befanden sich mitten in der Stadt, sie arbeiteten nicht nur in großen Fabriken wie dem Fritz-Sauckel-Werk der Wilhelm-Gustloff-Stiftung, sondern auch in zahlreichen mittleren und kleinen Betrieben, Gaststätten, Privathaushalten und in der Stadtverwaltung.

Die Stadt Weimar hat mit Zustimmung des Kulturausschusses Herrn Dr. Marc Bartuschka mit der Erstellung einer Materialsammlung zur Dokumentation des Einsatzes von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen in Weimar beauftragt. Der Jenaer Historiker hat bereits erfolgreich mehrere analoge Projekte für das Land Thüringen sowie die Städte Altenburg und Jena durchgeführt.

Als erster Schritt wurden die Familien von mehreren hundert ehemaligen Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen in Polen, in Tschechien und der Ukraine kontaktiert. Parallel dazu haben Recherchen in regionalen und bundesweiten Archiven begonnen. Das Projekt stützt sich auf Vorarbeiten des Weimarer Stadtarchivs, eine enge Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Buchenwald und auf die Kooperation mit dem Thüringischen Landesarchiv- Hauptstaatsarchiv Weimar. Erste Ergebnisse können voraussichtlich im Herbst 2017 der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Von zentraler Bedeutung für den Erfolg des Vorhabens ist die Unterstützung durch die Weimarer Bevölkerung. Wer in der Vergangenheit privat zu diesem Thema geforscht hat oder mit ehemaligen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen in Kontakt stand, wird herzlich gebeten, dies mitzuteilen. Bürgerinnen und Bürger, die sich aus ihrer Kindheit und Jugend an Begegnungen mit in der Stadt eingesetzten Zwangsarbeitern erinnern oder in deren privaten Bildersammlungen Fotos von Zwangsarbeitern und ihren Lagern zu finden sind, können einen unschätzbaren Beitrag zur Erforschung dieses Kapitels der Stadtgeschichte leisten. Bitte melden Sie sich beim Stadtarchiv oder direkt bei Dr. Bartuschka:

Stadtarchiv Weimar
Dr. Jens Riederer
Kleine Teichgasse 6
99423 Weimar
Tel.: 03643 762-532
stadtarchiv@stadtweimar.de